Umgezogen..

..ist dieser Blog. Jetzt nur noch unter der heeroverstreet.de zu erreichen… Bis die Tage!

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Das Schweigen in der Menge

„Das Große ist nicht, dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein.“ Dieses Zitat von Sören Kierkegaard, einem hierzulande den meisten vermutlich nicht näher bekannten dänischen Philosophen, huschte gestern gerade durch meine Facebook-Timeline. Und er hat ja Recht, so sehr Recht. Entsprechend groß ist meine Hochachtung vor den Menschen, die dieses Große wirklich schaffen, nicht nur nach Außen gespielt, sondern mit der tiefsten inneren Überzeugung, noch dazu ohne den gewaltigen Anstoss eines Schicksalsschlags wie Krankheit, Unfall oder schlimmeres. Und so verbiete ich es mir auch, trotz aller Hochachtung vor solchen Beispielen wie etwa aktuell das des US-amerikanischen Läufers Bruce Van Horn (Leseempfehlung!), aus solchen Lebenswegen Kraft zu schöpfen. Denn im Ergebnis bedeutete dies doch, auf einen solchen negativen Einschnitt zu hoffen, um anschließend endlich man selbst zu sein?

Leider gehöre ich seit Jahren zu den Menschen, die regelmäßig scheitern an dieser großen Aufgabe. Wie einst Sisyphos rolle ich den mit dunklen Gedanken schwer beladenen Wagen regelmäßig den Berg der Zufriedenheit hoch, bis er wieder polternd zu Tal kracht und das Spiel von vorn beginnt. Nur auf den ersten Blick überraschend geschieht dies besonders in den Phasen, wenn sich um einen rum scheinbar die halbe Nation im (auf mich in dieser Breite oberflächlich wirkenden) grenzenlosen nationalen Jubel in den Armen liegt. Das mag am Wesen „leiser Menschen“ liegen, über das ich an anderer Stelle in diesem Blog bereits berichtet habe. Mir sind diese Zeiten selbst als Fußball-Fan von Kindesbeinen an, der die „Wasserschlacht von Frankfurt“ ebenso mit erlebt hat wie die „Schmach von Cordoba„, zunehmend suspekter. Zeiten, in denen auch nur die kleinste Abweichung von der vorgebenen Meinung von den Mitmenschen mit Missachtung bestraft wird. Zeiten, in denen die Masse scheinbar blind den Worten eines ihrer Helden folgt, selbst wenn er nur Belanglosigkeiten in das Mikrofon eines dankbar dreinschauenden Reporters hustet. Spätestens dann, wenn dir an solchen Tagen selbst auf einem ansonsten ja gerne überkritisch daherkommenden Medium wie Twitter die „Liebe“ in Form vom Sternen entzogen wird, ist klar: Du gehörst nicht dazu!

Dies Sache wird nicht einfacher, wenn du als „leiser Mensch“ ohnehin nicht per se ein Lieblingskind einer immer lauter werdenden Gesellschaft bist. Eine Gesellschaft, die deine Zurückhaltung und gelegentliche Sehnsucht nach Ruhe als Distanz oder gar Arroganz wertet, zumal dann, wenn du es im Leben zu etwas gebracht hast. Dann ist die nicht selten offen zur Schau getragene Abneigung der Mitmenschen ein nicht unerheblicher zusätzlicher Ballast, die deinen Wagen beschwert. Und wenn du dann noch, wie in meinem Fall, als Ausdauersportler große Teile deiner Freizeit auf der Tartanbahn oder der Straße als Sportler und Übungsleiter verbringst, statt regelmäßig das Auto zu waschen oder das Unkraut zu jäten, dann wird es eng für dich, in diesen unseren deutschen Landen. Gerade gestern hat mir dies ein Nachbar wieder deutlich zu verstehen gegeben, als ich leicht gehetzt auf dem Fahrrad mit einem Apfel im Mund zum nächsten Termin eilend ihn wohl nicht mit der gebotenen überschäumenden Freundlichkeit grüßte – de facto fuhr ich kurz nickend (mit dem Kopf schon bei der anstehenden Trainingseinheit mit den Kids) an ihm vorbei.

Bei diesen für sich genommen zu vernachlässigenden Kleinigkeiten muss ich dann mit mir ringen, dass das Frustkopfkino nicht wieder zu einer Vorstellung bittet, zumal der Alltagsstress und die fehlende körperliche Fitness ohnehin an einem nagt. Spätestens dann wird er wieder zu schwer, mein Wagen der Zufriedenheit mit sich selbst. Also, denkt dran, falls heute Abend beim Rudelgucken jemand in eurer Nähe nach dem Siegtreffer für die deutsche Mannschaft nicht vor Begeisterung gleich sein Shirt (nein, kein gerade noch eben gekauftes Trikot) in Stücke reißt, sondern nur in sich reingrinst: Es handelt sich vielleicht nur um einen etwas leiseren Zeitgenossen, keinen Vaterlands-Verräter…

P.S.: Für sachdienliche Hinweise zur wenigstens teilweisen Entladung meine Wagens bin ich natürlich dankbar. Vielleicht hilft auch jemand schieben?

 

 

Rantasten

Fahrradergometrie mit Untersuchung des Gasstoffwechsels Atwater und Benedict - Wildor Hollmann und Theodor Hettinger: Sportmedizin. 4. Auflage, Schattauer, Stuttgart 2000

Fahrradergometrie mit Untersuchung des Gasstoffwechsels
Atwater und Benedict – Wildor Hollmann und Theodor Hettinger: Sportmedizin. 4. Auflage, Schattauer, Stuttgart 2000

Der Auftritt beim diesjährigen Mainzer Dreibrückenlauf hat den wunden Punkt meines aktuellen läuferischen Leistungsprofils gnadenlos aufgedeckt. Vermutlich haben die für meine Altersklasse doch vorzeigbaren Verbesserungen bei Schnelligkeit und der anaeroben Leistungsbereitstellung einfach auch nur dazu geführt, dass ich den dafür in Kauf genommen Verlust bei den aeroben Fähigkeiten unterschätzt habe. Doch ganz ohne diese geht es selbst bei einem 800m-Lauf ja nicht – schon gar nicht, wenn man deutlich mehr als 2 Minuten unterwegs ist. Also gilt es mit Blick auf die längeren Distanzen das Training wieder mehr zu mischen. Eine der drei Qualitätseinheiten wird jetzt wieder konsequent der Mitteldistanzausdauer gewidmet und zudem der Schwellenlauf wieder neu aufgesetzt. Zur Einstimmung gab es letzten Woche mit einem 10km-Tempowechsellauf (400m in 86′, 200m Erholung) gleich mal einen altbekannten Begleiter aus dem Greif-Training. Die 42er-Endzeit spricht Bände. Samstag dann 5x1km mit 1min Trabpause im Bereich der stark gesunkenen anaeroben Schwelle (Schnitt 3:50/km). Am vergangenen Dienstag dann ein Test im Intervall-Tempo, vorsichtshalber erst einmal nur 3x1km in 3:30 mit 3min Trabpause, die mir leichter fielen als erwartet. Und gestern dann wieder einmal ein etwas längerer Schwellenlauf von 5,2km in 3:56, bei 30 Grad und erneut der Erkenntnis, doch sehr weiter hinter den früheren Fähigkeiten zurückzuliegen. Nach diesem teilweise doch noch dezenten Rantasten beginnt morgen dann wieder das normale Training. Ich eigentlich fest davon überzeugt, dass ich in einigen Wochen schon wieder Fortschritte sehen werde.

 

Sorry, so läuft es nicht!

Bild

Nach der zweiten Brücke noch direkt vor Sabine Schmitt (Quelle: http://pheidippides-marathon.blogspot.de/)

Es sind ein paar Tage ins Land gegangen seit dem letzten Eintrag. Irgendwie folgte das Auf und Ab der körperlichen Verfassung immer so rasch aufeinander, dass ich keinen mehr oder weniger aussagekräftigen Stand der Dinge hätte abgeben können. Es läuft nicht. Die zum Teil tollen Trainingsresultate bei den kurzen schnellen Läufen lassen sich einfach nicht im Wettkampf auf die Tartanbahn bringen. Dem schwachen Debüt über 800m am ersten Sommertag des Jahres mit der 2:20er-Zeit folgte eine Erkältung, die mir die ersten 1500m des Jahres verhagelte. Platt und müde schleppte ich mich mit fast 100 Metern Rückstand (!) als Letzter meines Laufs in 5:02 über die Ziellinie. Da war ich sogar vor 2 Jahren aus dem Marathontraining heraus schneller, angestrebt hatte ich eine Zeit unter 4:45min. Um das alles perfekt zu machen, musste ich mir 2 Tage vor dem zweiten 800er einen entzündeten Zahnnerv ziehen lassen – sehr wahrscheinlich eine Spätfolge der Erkältung. Über die 2:21min konnte ich mich dann schon gar nicht mehr ärgern. Um den Kopf frei zu bekommen, lief ich 3 Tage später beim traditionellen Mainzer 3 Brücken-Lauf über 7,8 km mit.

Das Rennen war dann der letzte Beweis, dass momentan etwas nicht stimmt in meinem Training. Offenbar hat das Fehlen längerer Intervalle oder Wiederholungsläufe im Training in den letzten Wochen die ohnehin zuletzt nicht mehr stabile Tempohärte komplett beseitigt. Selbst das moderate Anfangstempo von 3:45/km (!) ließ sich nach 3km nicht mehr halten. Nach etwas mehr als 5km musste ich sogar die spätere Frauen-Siegerin, die ein sehr gutes Rennen lief, ohne Gegenwehr passieren lassen, blieb aber wenigstens dran und eroberte mir den Platz mit einem langgezogenen Zielsprint zurück. Der erlaufene Schnitt von 3:50/km (also langsamer als 2:40-Marathontempo) spricht Bände. Selbstverständlich muss man im Rahmen eines Mittelstreckentrainings Abstriche bei den längeren Strecken machen. Aber dies ist doch deutlich mehr als ein kleiner Abstrich. Die 50 Sekunden, die auf die schon durchwachsene Zeit des Vorjahres noch hinzukamen, sind eine Hausnummer. Da muss auch mit nur 50-60km Wochenumfang mehr kommen, wenn man dreimal die Woche Qualität trainiert. Jetzt gilt es also nochmals die Stellschrauben neu zu justieren. Leider gibt es für die Umschulung eines langjährigen Marathonläufers auf die Mittelstrecke keinen Leitfaden….

Warum mich kein Orthopäde mehr zu Gesicht bekommt

2010 European Athletics Championships – Women's 3000 metres steeplechase.}} |Source=http://www.flickr.com/photos/pemisera/4845907409/

Europameisterschaft 2010 – Finale 3000m Hindernis Quelle: Pemisera

Mehr als 6 Jahre ist es jetzt her, als das Läufer-Unheil seinen Anfang nahm. Ende Februar 2008 rannte ein Kind nicht nur einem Ball hinterher, sondern auch noch mit voller Wucht in mich hinein – nicht einmal 24 Stunden, nachdem ich mit den besten Trainingsresultaten meines Lebens aus dem Trainingslager in Spanien zurückgekommen war. Alle Zeichen stand auf Bestzeit, die sub 2:35 im Marathon schien nur noch Formsache. Schien. Der Schlag – Knie an Knie – traf mich überraschend, ich hatte den Jungen zwar kommen sehen, aber nicht damit gerechnet, dass er mich übersieht. Ein kurzer, sehr heftiger Schmerz, der die um mich herum stehenden zum lachen brachte: Wird doch nicht so schlimm gewesen sein! Doch, war es. Eine Woche passierte nichts, bis auf ein dumpfes Gefühl. Dann ging von einer Minute auf die nächste nichts mehr. Selbst die Treppen zum Arzt kam ich nur mit großer Mühe auf einem Bein springend hoch.

Diagnose: „Bone bruise“ (eine schwere Knochenprellung) des Knies. Alles halb so wild, sprach eine Woche später der behandelnde Orthopäde – selbst Sportler. Natürlich könne ich bald wieder laufen, das sei sogar wichtig. Gesagt getan. Es folgten mehrerer dieser Anläufe und Rückschläge, weitere Besuche beim Orthopäden. Das wird schon! Irgendwann wurde es dann auch, doch so richtig sauber lief ich viele Jahre nicht mehr und mit versauter Technik und kaum erkennbarer Schonhaltung kamen auch keine Ergebnisse. Richtige Schmerzen hatte ich aber nie mehr, allenfalls mal punktuell bei bestimmten übermotivierten Bewegungen. Allerdings schwoll das Knie nach längeren Läufen immer wieder an. Mehr aber nicht.

Im letzten Herbst bin ich dann wegen muskulärer Probleme an der Oberschenkelmuskulatur (vermutlich wegen der jahrelangen Schonhaltung) auf Umwegen auf den Stuhl eines anderen Orthopäden geraten. Jedenfalls für knappe 10 Minuten. So lange hat es gedauert, bis er auf Basis eines neues MRT-Bildes – und nur auf dieser Basis – entschied: „Das wars mit Sport, allenfalls ein wenig Radfahren, auch kein Krafttraining. Tut mir leid.“ Er könne mir allenfalls noch anbieten, meine O-Beine operativ zu begradigen, wenn ich den endlich zugäbe, dass ich Schmerzen habe. Denn die müsse ich haben, und wenn ich die nicht fühle, blende ich sie wohl aus. Hatte ich aber nicht, bis auf die an der Muskulatur. Gefiel dem guten Mann gar nicht und zwar so wenig, dass ich das Rezept für die Einlage, die seitdem in jedem Alltagsschuh deckt und tolle Arbeit leistet, erst nach mehrmaliger Nachfrage – man könnte es auch Betteln nennen – bekam. Dann war er weg, Rezept für Physiotherapie gabs natürlich nicht. Nicht für den Kassenpatienten, der einfach keine Beschwerden zugeben will.

Inzwischen weiß ich: Die Verletzung damals war mit hoher Wahrscheinlichkeit Auslöser für den Knorpelschaden, der genau an der Stelle sitzt, wo das Knie vor Jahren die Prellung hinterließ. Doch selbst davon wollte der Orthopäde nichts wissen. Das liegt an dem jahrelangen Gerenne. Basta. Bitte nicht falsch verstehen: Selbstverständlich ist mir klar, dass Leistungssport kein Gesundheitssport ist und das die einseitige Belastung erheblich dazu beigetragen hat, was aus der Ausgangsverletzung geworden ist. Nur war unsere Schulmedizin ja nicht ganz unbeteiligt an diesem Lauf der Dinge. Und ich sehe auch nicht ein, warum ein Sportler mit BMI 20, unter 10 Prozent Körperfett und halbwegs vernüftiger Lebensweise nicht genauso ein Recht auf vernünftige ärztliche Beratung haben sollte wie jeder Übergewichtige, der sich nur vom Sofa zum Auto bewegt und seine Arthrose genau deshalb entwickelt. Dass das einzige, was mir an Hilfe angeboten wurde, eine teure Begradigungsoperation (mit sehr unsicherer Prognose) noch vor Ausschöpfung anderer Maßnahmen wie Einlagen, Physiotherapie, Ernährung und Co. war, hinterließ bei mir einen mehr als faden Beigeschmack. Mein langjähriger Trainer Peter Greif fasste das alles wie von ihm gewohnt knapper zusammen: „Das ist doch ein Vollpfosten!“

Doch die Dinge lassen sich jetzt nicht mehr ändern. Zum Zeitpunkt des Arztbesuches hatte ich mir für den Fall der Fälle schon ein für mich drastisches Programm zusammengestellt, dass der Schulmediziner leider aber nicht mit mir besprechen wollte. Also suchte ich mir Rat in der Szene und bekam viele ermutigenden Reaktionen, für die ich noch heute sehr dankbar bin. Details spare ich mir an der Stelle, zusammengefasst sieht es für zunächst einmal ein Jahr so aus: Reduzierung des Trainingsumfangs auf weniger als die Hälfte, 5 statt 7 Lauftage, maximal einen mittellangen Lauf von 15-18km, ansonsten Mittelstreckentraining mit wenigen „sauberen“ intensiven Belastungen auf der Bahn und viel begleitendes Krafttraining, Stretching, Fußkraft etc. Experimentiert habe ich auch mit Barfußlaufen, mit dem viele ähnlich Geschädigte gute Erfahrungen gemacht haben. Der damit erzwungenen knieschonenden natürlichen Technik komme ich beim Mittelstreckentraining und den Sprints mit Spikes sehr nahe. Und tatsächlich hatte ich bei diesen Einheiten zu keinem Zeitpunkt bislang einmal irgendwelche Probleme. Bei längeren Läufen auf der Straße muss ich hingegen schon aufgrund der fortschreitenden Ermüdung irgendwann sehr konzentriert laufen, um „sauber“ zu bleiben. Mit dieser Strategie folge ich dem Ansatz von Dr. Fernando Dimeo, den er in einem Artikel auf der Seite von Herbert Steffny beschrieben hat – und zwar frühzeitig, bevor ich dort beschriebenen Probleme überhaupt habe. Parallel dazu versuche ich es ebenfalls für ein Jahr mit der Ernährungsstrategie von Wolfgang Feil, den ich aus gemeinsamen Trainingsurlauben auch persönlich kenne.

Aktuell nach etwas mehr als einem halben Jahr kann ich ein positives Zwischenfazit ziehen. Schmerzen habe ich immer noch nicht und der Laufstil verbessert sich immer weiter. Mangels Schmerzen steuere ich die Belastungen orientiert an Schwellungen, die ja in der Phase vor der Umstellung regelmäßig auftraten. Hier habe ich inzwischen praktisch keine Reaktionen mehr. Das Bein lässt sich zu jeder Tages- und Nachtzeit beugen, wenngleich noch immer nicht so weit wie das andere, was aber eher an der jahrelangen Schonhaltung zu liegen scheint. Aber daran arbeite ich permanent genauso wie an der Wiederherstellung der Beinstreckung. Natürlich gibt es keine Garantie, dass das alles so auf Jahre hin funktioniert. Aber eine Garantie gibt es: Dass es schneller schlechter würde, wenn ich dem einzigen Rat des Orthopäden folgen würde, nur noch auf dem Sofa liegen und mich selbst bedauern würde.Schließlich weiß inzwischen jeder, das angepasste Bewegung bei Arthrose sogar ein Muss ist. Nur scheint es zumindest bei meinem Orthopäden keine Einsicht zu geben, dass „angepasst“ bei einem Menschen mit 20 Jahren Marathontraining in den Beinen erst einmal anders aussehen muss als beim übergewichtigen Bewegungsmuffel. Deshalb sieht mich diese Gattung Mediziner sicher (freiwillig) nie wieder!

P.S.: Fast vergessen: Medikamente nehme ich selbstverständlich keine, wenn man einmal von Gewürzquark nach Wolfgang Feil absieht! 😉

 

 

 

800m-Debüt oder der blöde Satz mit X

Bild: Holger Weinandt

Bild: Holger Weinandt, Koblenz

Das war wohl nix! 11 Tage nach dem mit angezogener Handbremse gelaufenen Halbmarathon sollte gestern Abend ein guter Einstand über die 800m gelingen. Noch nie zuvor bin ich diese Strecke gelaufen, selbst die 1500m bislang nur einmal in meinem Läuferleben. Dem stehen zwar unter anderem mehr als 50 Marathons, unzählige Halbmarathons und 10km-Läufe entgegen, doch die helfen dir bei den 2 Stadionrunden bekanntlich nicht wirklich. Dennoch war ich optimistisch, dass die inzwischen gut ein halbes Jahr dauernde „Umschulung“ schon erst Früchte tragen würde. Nach den Traningsergebnissen war eine 2:15 möglich, eine Zeit unter 2:20 fast Pflicht. Es kam dann anders. Durch die Vielzahl der Teilnehmer verschob sich mein Start an diesem schwül-warmen Mittwochabend nach und nach Richtung 21 Uhr. Zu dem Zeitpunkt war ich schon fast drei Stunden auf der Anlage und fühlte mich mit jeder Minute müder und platter. Und dann nahmen die Dinge ihren üblen Lauf. Schon nach 400m in gerade einmal 68 Sekunden schienen mir wie aus dem Nichts Arme und Beine abzusterben, sofort war die Lücke da und meine Trainingspartnerin, mit der ich über Monate fast jede Einheit fast auf die Sekunde genau identisch abgeschlossen hatte, mit einigen anderen enteilt. In dem Moment fehlte mir dann schlichtweg die Erfahrung auf dieser schwierigen Distanz, um mich noch einfach durchzumogeln. Mitm 2:20;87min blieb ich dann deutlich über dem persönlichen Ziel. Ich habe momentan noch keine Idee, woran es lag. Möglicherweise kam bei mir die noch ungewohnte Wärme und die späte Startzeit zusammen, vielleicht war ich auch einfach nur nicht gut drauf an dem Tag. In 2 Wochen stehen dann die 1500, meine eigentliche Hauptstrecke für diesen Sommer, an. Da muss dann mehr kommen.

Die Macht der Aggregatoren

bertramgugel_aggregationslandkarte

Bertram Gugel: Aggregations-Landkarte (http://www.gugelproductions.de/blog/2014/aggregation.html)

Unter der Überschrift „Aggregation: Wettstreit von Sendern, Plattformen und Ökosystemen“ übernahm Bertram Gugel im Rahmen der Media Convention in Berlin die Einleitung in ein Thema, das schon seit einigen Jahren durch die betroffenen Medien-Branchen geistert. Dabei gab es zwar an inhaltlichen Details nicht viel neues zu erfahren. Jedoch hat er mit seiner Präsentation die Entwicklung im Zeitablauf so überzeugend auf einer interaktiven Landkarte veranschaulicht, wie ich es persönlich bislang noch selten gesehen habe. Interessant dabei auch die Zusammenhänge, die er zwischen den unterschiedlichen Formen von Aggregatoren aufzeigt. Hiernach seien – und dies leigt auf der Hand – die „umfassenden Aggregatoren“ wie Amazon Instant Video, Google Play, iTunes, Watchever und natürlich Youtube oder Netflix mit ihrer zum Teil unüberschaubaren Zahl (vergleichbarer) Inhalte mittel- bis langfristig mit Abomodellen im Wettbewerb miteinander nur dann erfolgreich, wenn es ihnen gelingt, relevante Nutzerzahlen zu generieren, die geringe Wertschöpfung pro Nutzer zu kompensieren. Die besten Chancen haben dabei die Anbieter, die sich durch hochwertige exklusive Inhalte zumindest für eine gewisse Phase von der Konkurrenz abheben könnnen. Dies erklärt den Erfolg von Netflix genauso wie die Ansätze von Amazon oder auch Watchever, sich mit eigenen Serien zu profilieren. Auf diese Karte setzt auch Sky, das als „selektiver Aggregator“ aktuell mit exklusiver Sportberichterstattung und schneller Verfügbarkeit hochwertiger Serienware Boden gegenüber den privaten und öffentlich-rechtlichen „Selektierern“ gut macht.

Allerdings ist Sky schon heute abhängig von den Scharnierstellen der digitalen Medienlandschaft Google und Apple, die nach und nach mit ihren Betriebssystemen die fast beliebige Verfügbarkeit von Medieninhalten möglich machen. Gerade sind diese mächtigen Player dabei, mit Chromecast und Co. den TV-Bildschirm zu erobern. Ihnen im Weg stehen eigentlich nur noch die noch immer nicht verwirklichte flächendeckende Grundversorgung mit schnellem Internet und die Sehgewohnheiten der älteren Zuschauer. Beide Bremsklötze des Medienwandels dürften in den nächsten Jahren allerdings immer stärker abgerieben werden und irgendwan ganz verschwinden. Spätestens dann werden die aktuell noch dominierenden selektiven Anbieter auf dem TV-Markt – unabhängig von ihrer Finanzierungsart – unter noch größeren Wettbewerbsdruck geraten. Dann stehen sich nicht nur die spezialisierten und deshalb vergleichsweise kostengünstigen  VoD-Plattformen mit „umfassendem“ Angebot untereinander, sondern ihnen darüber hinaus noch die etablierten Anbieter des TV-Marktes gegenüber, die um die Gunst der Zuschauer mit ihren selektiven Vollprogrammen oder Premium-Programmen werben müssen. Gewinnen werden dabei aber wohl auf jeden Fall Apple und Google, ohne die diese Anbieter gar nicht erst zum Kunden gelangen! Ein Szenario, das übrigens der ehemalige ZDF-Intendant Markus Schächter den Verlegern bei der Auseinandersetzung um die Internetaktivitäten von ARD und ZDF aufgezeigt hatte.

Krautreporter und die deutschen „Tugenden“

Mir ist es peinlich, aber ich kann es nicht mehr ändern. Wenn es noch eines letzten Beweises bedurft hätte, dass ich trotz Studium, Promotion und durchaus vorzeigbarer beruflicher wie sozialer Aktivitäten doch immer ein schlicht denkender Mensch bleiben werde, dann liegt er jetzt auf dem Tisch: Ich bin dabei, schon am ersten Tag habe ich meine 60€ bereitgestellt für das Projekt Krautreporter. Spontan, einfach so, aus dem Bauch heraus. Weil ich es einfach (natürlich „einfach“!) gut finde, wenn Menschen mal was riskieren. In einer Sache, in der eigentlich Einigkeit besteht. Über die nun seit Jahren auf vielen wichtigen Podien gestritten wird. Und ich habe mir dabei keine Gedanken gemacht, ob ausreichend Frauen vom Start weg dabei bin (obwohl ich persönlich gerne mehr sehen würde), schon gar nicht kann ich mich wie Herr Matzat an dem „lieblosen und schlichten Design“ stoßen. Letzteres lässt sich aber wohl auch dadurch leicht erklären, dass ich eher an Inhalten interessiert bin als an der Verpackung. Auch die „Kollegenschelte“, die etwa Herr Bouhs ausmacht, konnte ich bislang auf der Internetseite so nicht finden, auch wenn man sicher immer über Formulierungen streiten kann. Aber der Kollege schießt ja offensichtlich ohnehin gern mal mit großem Kaliber auf kleine blaue Twitter-Vögelchen. Ich gehöre jedenfalls sicherlich nicht der „Szene“ an, daran werde ich jedenfalls des öfteren erinnert, wenn ich ihr begegne – was nicht selten der Fall ist… ;-). Diese zufällig entstandene, weil mir ins Auge gefallene und somit rein subjektive Reihe ließe sich fortsetzen, doch dies würde die Diskussion nur erneut befeuern und genau dies ist zumindest jetzt nicht geboten. So sind wir halt, wir Deutschen. Wir legen uns nun mal gerne im Sessel zurück und sezieren genüsslich, was andere gerade auf die Beine zu stellen versuchen. Alexander Mazzara von Joiz hat dazu auf der re:publica wie ich finde recht emotionslos und gerade deshalb treffend Stellung bezogen:

Dass die eher sachlichen Kommentare von etablierten Medien wie der „FAZ“ oder „Die Zeit“ kommen, verwundert mich ebenso wenig wie die Tatsache, dass es bei Twitter besonders hoch her geht. Dazu habe ich mich ja an anderer Stelle bereits geäußert. Ich habe auch gar nichts gegen sachliche Kritik. Doch zumindest diejenigen, die – wie in oder zumindest zwischen den Zeilen ständig zu lesen war – „das Projekt grundsätzlich gut finden“, könnten ja dann gerade bei Twitter ihre Schlagworte vielleicht so wählen, dass dies auch für die vielen Nutzer, die eben keine Blogs oder lange Artikel lesen, erkennbar bleibt, oder? Was für mich am Ende übrig bleibt ist die Erwartung, dass das Projekt „Krautreporter“ schon platt gemacht sein wird, bevor es sich beweisen konnte. Dann können sich alle wieder zurücklehnen in ihrem Sessel, um bei nächster Gelegenheit wieder ausgeruht auf dem Podium über die Zukunft des Jounalismus zu streiten. Dann mal: Bis die Tage! Übrigens. Wer diese Zeilen jetzt überzogen und überhaupt nicht ausgewogen findet: Ja, das gehört so, in diesem speziellen Fall!

Mittelstreckler läuft Halbmarathon

HM Mainz 2104

HM Mainz 2104

Eigentlich wollte ich dieses Jahr gar nicht mitlaufen. Fast unvorstellbar schien mir ein halbwegs vorzeigbarer Halbmarathon mehr als ein halbes Jahr nach der für mich so dramatischen Umstellung des Trainings. Standen im Vorjahr noch Trainingswochen mit 7 Laufeinheiten und bis zu 130km, regelmäßig ein langer Lauf bis zu 35km und Tempodauerläufe bis 15km auf dem Programm, waren es seither 5 Einheiten mit ca. 50km/Woche, ab der Jahreswende 2 fordernde Tempoeinheiten mit vielen schnellen kurzen Läufen (früher fingen Tempoläufe bei 1000m, heute hören sie hier auf) und einem „Schwellenlauf“ am Donnerstag. Letzterer konnte als Zwischeneinheit zwei Tage nach bzw. vor den Kerneinheiten nur deutlich langsamer als früher absolviert werden (zuletzt 4:08/km!) und war maximal 10km lang. Echte extensive längere Läufe fanden nicht statt. Stattdessen ein ruhiger sonntäglicher Dauerlauf von knapp über 5min/km als Erholungseinheit nach dem Tempoläufen am Samstag. Und selbst diese Läufen gingen wochenlang nicht über 15-16km hinaus, erst die letzten Wochen ging es drei oder viermal bis an die 20km. Kurz und knapp: Ich hatte keine Ahnung, wie ich den Halben angehen sollte. Daher wollte ich dann doch teilnehmen, aber nicht „voll“ laufen, sondern nach Gefühl, etwa den 4er-Schnitt anpeilend. Am Ende klappte das trotz der nicht optimalen Bedingungen viel besser als erwartet. Die ersten 3km in 3:50/km etwas zu schnell, dann ruhiger werdend sich auf knapp unter dieser Marke einpendelnd. Das Laufgefühl war dabei immer entspannt, eher wie bei einem flotten Trainingslauf. Bei Km15 muss ich dann knapp unter 60 Minuten durchgegangen sein (das Schild suchte ich wie viele andere vergeblich). Ein paar Minuten später erhöhte ich dann das Tempo schrittweise, ohne ganz ans Limit zu gehen. Die letzten 5km müssen dann so noch mit etwa 19 Minuten weggegangen sein. Jedenfalls sammelte ich noch viele Läufer ein und hatte sogar noch Reserven für schnelle letzte 200m. Ergebnis: 1:23:19, gute 9 Minuten über meiner PB und immerhin noch 4 Minuten langsamer als die Durchgangszeiten beim Marathon noch vor einigen Jahren. Auf jeden Fall waren an dem Tag noch 1-2 Minuten an Reserve drin, viel mehr sicher nicht. Dafür konnte ich zwei Tage später schon wieder die ersten Sprints auf der Bahn machen. Außerdem weiß ich nun, dass mit nur kleinen Anpassungen im Vorfeld sogar eine brauchbare Zeit möglich wäre. Und für den für 2017 geplanten „Abschluss-Marathon“ in Boston (und den Quali-Lauf vorher) muss ich wohl gar nicht so viel anders machen, wenn ich lediglich die 3h-Marke im Blick habe.

Blogger, die Gesellschaft hört euch nicht!

ru publica 14

Bedingt durch die ein oder andere sportliche Großveranstaltung in Mainz am vergangenen Wochenende melde ich mich erst jetzt zu Wort. Umso erstaunter bin ich. Es mag daran liegen, dass ich als Alt-Blogger aus der Mitte der Gesellschaft ohne elitären Anspruch und Sprache einfach nicht genug Blogs kenne. Dann sei mir vorab verziehen. Gleichwohl verwundert es mich doch sehr, dass ich den mir momentan zugänglichen Blogs zu einer der wichtigsten Fragen der re:publica 14, die über den Tellerrand der Szene hinausgehen, allenfalls in einzelnen Randbemerkungen etwas finde. Meist geht es dann aber nur darum, wieder einmal rauszustellen, dass man den alten Mann mit der gewöhnungsbedürftigen Frisur nicht mag und ihm schon gar nicht traut. Schwamm, drüber. Interessiert mich nicht. Interessiert auch draußen niemanden. Dürft ihr mir glauben. In anderen Fällen scheint die Wahl der besuchten Sessions von Außen betrachtet trotz dreitägiger Teilnahme getreu der Leitlinie „ich mach die Welt, so wie sie mir gefällt“ erfolgt zu sein. Nix gegen Eltern- und Väterblogs, ab die Mitte der Gesellschaft ist so allein nicht zu erreichen. Jedenfalls nicht im ersten Schritt. Dürft ihr mir glauben. Wirklich.

Ich hätte hingegen mehr erwartet zur Frage: Wie erreichen wir mit unseren Themen endlich die Gesellschaft und wollen wir das eigentlich? Damit kein falscher Eindruck entsteht: Mich hat diese unglaubliche Themenvielfalt und die Leidenschaft, mit denen diese beackert wird, beeindruckt und fasziniert. Doch es bleibt bei mir als Beobachter am Wegesrand, der – verzeiht diese klare Sprache – dieser Karawane der Detail- und auch zuweilen Selbstverliebten mit staunenden Augen nachschaut, ein Gefühl der Ratlosigkeit zurück. Warum fordert keiner von Euch endlich mal eine wirkliche Öffnung nach Außen ein? Diese Gesellschaft kennt euch einfach nicht und kann euch deshalb nicht hören! Schlimmstenfalls werdet ihr mit der realpolitischen Praxistauglichkeit der Piraten in einen Topf geworfen und ich hatte nicht den Eindruck, dass ihr das durch die Bank alle wollt. Natürlich haben die „Grünen“ ähnlich angefangen. Doch die fanden rasch zumindest bei den jungen Menschen eine Basis. Eine Basis, die eurer Bewegung fehlt, weil ihr größtenteils eine andere Sprache sprecht und zuweilen mit seitenlangen Blogeinträgen eine Jugend ansprechen wollt (wollt ihr das?), die bekanntlich gerne auch als Generation Youtube beschrieben wird. Y-Titty hat sich dazu in einem Interview mit dem WDR überaus sachlich und treffend geäußert:

Y-Titty auf der re:publica

Ähnlich ließe sich wohl das Verhältnis zu den politischen Entscheidungsträgern des Landes über alle Ebenen beschreiben. Der berühmte „Gang durch die Institutionen“ ist überfällig, wenn ihr wirklich nachhaltig etwas bewegen wollt! Ich versichere euch: In jedem größeren Ortsverein einer politischen Partei in Deutschland findet ihr mindestens einen Vertreter, der für die Themen der Netzwelt nicht nur empfänglich ist, sondern möglicherweise geradezu darauf wartet, angesprochen zu werden. Um diese Menschen alle zu erreichen, müsst ihr natürlich die Scheuklappen ablegen und konsequent in allen demokratischen politischen Gewässern auch jenseits von SPD und Gründen fischen. Denn ihr wollt ja Mehrheiten für eine Sache gewinnen, oder? Ebenso wie das Netz in allen Bereichen der Gesellschaft angekommen ist, müssen diejenigen, die sich am besten damit auskennen, dies auch endlich tun. Die re:publica 14 war gemeinsam mit der media convention gemessen an der (optischen) Vielfalt der Besucher doch ein Beleg für diese These (die zahlreichen PR-Tussies, die sich unters Volk gemischt hatten, müsst ihr halt aushalten! Bis die Tage!

Hier das gesamte WDR-Interview mit LeFloid: