Herr Overstreet und die Depression

Tach zusammen! Seit einem Tag habe ich jetzt wieder einen Blog und habe ihn noch nicht wieder gelöscht. Warum auch, werdet ihr fragen. Nun, da könnt ihr Menschen wie mich schlecht. Ich gehöre nämlich zu der Sorte der aufrecht gehenden Zweibeiner, die es sich ständig selbst nicht recht machen können. Also deren Lebensmotto lautet: Wenn schon, dann aber gleich perfekt und ohne Fehler. Grundsätzlich ja kein schlechtes Motto. Aber nur dann, wenn einen der permanente Selbstdruck nicht von Innen aufzehrt. Solange, bis nix mehr da ist an Lebensfreude. So einer bin ich. Beziehungsweise war ich. Das ging schon in der Schule los. Da wurde mir das schlechte Gewissen anerzogen. Ich komme ja aus einfachen Verhältnissen. „Junge, Du sollst es mal besser haben, also lern was“ und so. Damals hat das noch nicht gefruchtet. Da war ich ein mittelmäßiger Schüler, der Spass am Leben hatte. (O.k., bis auf die unglücklichen Verliebtheiten, aber das zieht sich ja bis heute durch. ;-)). Doch irgendwann kippte das dann. Ab diesem Zeitpunkt wollte ich es einfach nur allen beweisen, zeigen, dass ich es besser kann. Und wenn ich es dann geschafft hatte, war es nicht gut genug oder ein neues Ziel musste her. Zu Beginn der Studienzeit gab es dann noch mal ne Atempause, in der ich den Kindskopp in mir noch für eine gewisse Zeit rausgelassen habe. Das war die letzte wirklich gute Zeit bis zum Zusammenbruch wenig später. Der Martin, auf den ich durch die Juna gestoßen bin, hat das in seinem Beitrag so toll beschrieben mit dem Bild von der Butter, die man auf viel zu viele Brote schmieren möchte statt auf einige wenige richtig gut.

Warum ich Euch damit langweile? Na ja, einerseits ist es ein kleines persönliches Outing, was jedem anderen Betroffenen vielleicht ein wenig hilft. Andererseits erleichtert es aber auch die ein oder andere Eigenart zu verstehen, die man sich als Schutzmechanismus gegen mögliche Rückfälle so zugelegt hat. Insbesondere dann, wenn ich gerade mal wieder bei Twitter unterwegs bin, was ja aktuell in meinem Fall durchaus häufiger der Fall ist. Dieses Twitter ist ja ein permanente Gefahrenquelle für Menschen wie mich. Denn bei Twitter wird deine Wertigkeit ja vor allem an der Followerzahl, den Sternchen und den RTs gemessen. Leider gehen dabei Top-Werte nicht immer nur mit wertvollen Inhalten einher. Aber das kennt ihr ja. Allerdings erwische ich mich schon dabei, dass es mich etwas mehr als notwendig frustet, wenn ich so das ein oder andere beobachte. Dann kommt er dann wieder durch, der depressive Herr Overstreet, und versucht mit völlig unpassenden Aktionen und Äußerungen ein bisserl was abzubekommen vom scheinbaren Erfolg der Elite-Menschen. Noch übler kann es enden, wenn mir Personen – bzw. das, was über die Twitter-Oberfläche an mich herankommt – nach einer Weile ans Herz gewachsen sind. Sei es durch Inhalte oder schlichtweg, weil ich mich in eine Person verguckt habe. In dem Fall wird es dann ganz übel. Da werden dann Sternchen gezählt und Antworten, mit denen von Anderen verglichen, auf die Goldwaage gelegt, Profilbilder hektisch gewechselt u.s.w. Eigentlich alles ganz normal für einen Kindskopp wie mich. Wenn es nicht dazu führen würde, dass ich dann wieder in die alte Spirale reinzurutschen drohe. Mit dem möglichen Ergebnis, dass ich es mir nicht nur mit Person X, sondern auch noch mit vielen anderen total versaue und erneut die Erfahrung mache: Siehste, du kannst es doch nicht! Übrigens, da nützt es auch wenig, dass das in meinem Erstaccount gebündelte vernüftige Ich das alles gut einordnen und analysieren kann. In diesen Phasen bleibt mir dann nichts anderes übrig, als mal eben das Weite zu suchen, bis ich mich wieder erholt habe. Und das geht erfreulicherweise momentan alles recht schnell. Da bin ich jetzt schon geübt drin. Das geht dann sogar soweit, dass ich für manche etwas wirr anmutende Beiträge wie diese dann nicht nur schreibe, sondern sie sogar ins Netz stelle (und mir noch nicht einmal Sorgen um Tippfehler mache). Sogar soweit, dass es mir völlig schnurz ist, was die meisten dann über dieses Gedankenchaos denken. O.k., fast schnurz, denn ich wüsste schon gern, was Person X darüber denkt… 😉 Machet gut!

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4 Kommentare

  1. Und wie ich dieses Gedankenchaos nachvollziehen kann. Dieses schlechte Gewissen kostet so viel Kraft. Es ist…..Aaaargh!

    Es ist gut zu lesen, dass wir nicht alleine sind. Dass andere Menschen hinter ihrer erfolgreichen Fassade ganz ähnlicher Mist umtreibt, und dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

    Das gibt Kraft. Ich wünsche Sie dir. Halt durch! Wir packen das!!!

    1. Ich schreibe diese Texte ja aus einer Phase heraus, in der es mir so gut geht wie lange nicht mehr (einzelne kurze Phasen ausgenommen). Ein Pseudonym habe ich deshalb auch nur aus dem Grund gewählt, weil ich mich beruflich in einer Branche bewege, die sich zwar für total modern und an der Spitze des Zeitgeistes wehrt, die gleichzeitig aber das Wort „Schwäche“ nicht kennt. Hoffe, Ihr versteht das.

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