„Lusdisch“

Tach auch! Gestern Nachmittag war es wieder soweit. Da habe ich mich aufgeregt. Ohne Grund. Völlig. Und die armen Menschen konnten nichts dafür. Sie hatten ja nur Spaß. Und waren „lusdisch“. Oder so. Vermutlich. Ahnungslos schlenderte ich über den überfüllten Parkplatz unserer „bürgerhausähnlichen Versammlungsstätte“ (aus so ein Wort), als es losbrach. Organisierter Frohsinn überall. Also zumindest von der Optik her. Bunte Perücke, rote Nase, sogar die ein oder andere Gardeuniform. Lusdisch eben. Also noch nicht, weil die waren ja noch nicht drin, in der Versammlungsstätte. Deshalb schauten sie auch noch nicht so. Eher grimmig, der ein oder andere. Und ich mittendrin. So ganz ohne Nase. Also rote Nase. Da habe ich mich aufgeregt. Natürlich nur innerlich. Äußerlich ist ja verboten, wenn man nicht völlig unten durch sein will bei den Mitmenschen hier in der Hochburg des Frohsinns. Schließlich stehe ich schon unter Verdacht. Denn man sieht mich ja schon das ganze Jahr über nur höchst selten bei solchen Veranstaltungen. Eigentlich nur dann, wenn mir wirklich danach ist. Dann aber richtig und aus vollem Herzen. Wenn z.B. der FSV ein hart umkämpftes Spiel gewinnt. Dann bleibe ich gerne noch etwas länger zum feiern, zusammen mit den paar Tausend anderen. Früher sind ja dann eigentlich alle geblieben. Ist heute anders. Keine Ahnung, warum die ins Stadion gehen. Jedenfalls gehen sie 10 Minuten vor Schluss. Unabhängig vom Spielstand. Vielleicht müssen die aber auch einfach nur früher weg, weil die nächste organisierte Feier wartet? Feiern kann man ja mittlerweile ganzjährig. Fastnacht, Weinfeste, Johannisnacht, Oktoberfest, Adventsmarkt, Weihnachtsmarkt. Und zwischendurch? Klar, grillen. Wer nicht dauergrillt, fliegt! Ist aber auch richtig so. Jedes Wochenende tote Tiere auf den Rost werfen ist nun wirklich etwas, was du machen musst, wenn du dabei sein willst. Ist auch immer irre lusdisch. Also, wenn es genug Bier gibt. Bei der Gelegenheit kann man auch ganz toll herziehen über den Verrückten, der nicht nur bei Wind und Wetter, sondern auch noch in der Grillsaison fast täglich seinem Sport nachgeht. Also richtiger Sport. Nicht zweimal die Woche den Ball durch die Gegend kicken und sich von der Spielerfrau des Monats das Bier danach bringen lassen. Und das freiwillig. Weil es Spaß macht. Jeden Tag, auch wenn es mal weh tut im Training. Und danach dann auch mal einen schönen Roten trinkt. Und lusdisch ist. Ganz unorganisiert, aber nicht ohne Grund. Gerade wäre mir auch danach. Mir ist nämlich lusdisch zumute. Lache über mich selbst und meinen Text. Und das ich mich aufgeregt habe. Eigentlich auch ohne Grund. Narhallamarsch! Übrigens, die Spielerfrau des Monats gibt es wirklich. Auch in der Kreisklasse. Lusdisch, oder?

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2 Kommentare

  1. „Organisierter Frohsinn“ ist nicht lustig, nein. „Schon unter Verdacht stehen“ auch nicht. Und „wer nicht dauergrillt, fliegt“ ebenso wenig. Da verstehe ich doch glatt den Anflug von Aufregung …

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