Zum viel Lärm um nichts

Seit etwas über eine Stunde gibt es zumindest in der Mainzer Innenstadt kein Entrinnen mehr. Die Straßenfastnacht läuft. Laute Musik, viel Geschrei, angedeuteter und in Einzelfällen auch vollzogener Geschlechtsverkehr und vor allem: Alkohol in allen Varianten und für fast alle Altersklassen. Insbesondere die jungen Leute, die der traditionellen Fastnacht bereits vor Jahren den Rücken gekehrt haben, sind ganz vor dabei und glühen gerne schon zu Hause vor, um in der „richtigen Stimmung“ zu sein. Nicht dass ich falsch verstanden werde: Ich gönne jedem Einzelnen seinen Spaß und blicke auch keinesfalls neidisch auf das „Narrenvolk“. Aber bitte: Akzeptiert doch auch ohne Stirnrunzeln, dass ich andere Prioritäten habe, wäre das möglich? Ich mag die Fastnacht eigentlich sehr. Also die traditionelle Mainzer Fastnacht mit geschliffenen Vorträgen und dem ein oder anderen lustigen oder auch besinnlichen Lied. Ich mochte den Herbert Bonewitz, vielleicht auch gerade deshalb, weil der auch den Vertretern der Narrenzunft respektlos und mutig den Spiegel vorhielt. Vielleicht auch, weil der wirklich lustig war, auch ohne Vorglühen. Allerdings stand ich auch nie in der ersten Reihe bei diesem Volksfest. Nicht einmal als Kind. Als „leiser Mensch“ tut man sich damit schwerer. Dabei ist es nicht einmal der Lärm an sich, der mir unangenehm ist. So habe ich in meinen wilden Studentenzeiten gerne und mit wirklicher Lust die Nächte durchgetanzt möglichst mittendrin im Geschehen. Nur wenn es um mitgrölen ging, war ich dann doch eher leise. Ist auch alles kein Problem, uns Leisen macht das gar nichts aus. Wir sehen anderen auch gerne beim schreien zu. Uns ist das einfach nur manchmal zu viel Lärm. Oder vielleicht auch zu viel Lärm um nichts.

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