Monat: März 2014

Twitter-Frauen mit Beigeschmack

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Tach auch! Wenn ich an schönen Tagen in der Mittagspause draußen auf meiner Stammbank sitze, kann ich sie sehen. Dann flaniert er an mir vorbei, manchmal noch etwas ungelenk, doch umso selbstbewusster und meist schon etwas provokant: Unser wunderbar hübsch anzuschauender weiblicher Mediennachwuchs. Groß gewachsen, lange Haare, perfekt gestylt, die hübsche Nase fast schon zu hoch in den Himmel gereckt. Dieser Typ junger Frauen, meist nicht nur attraktiv, sondern auch noch mit guten Abschlüssen in der Tasche, die Männer wie mich gleich doppelt schwach werden lassen. Einmal aus sofort nachvollziehbaren, eher hormonell bedingten Gründen. Und einmal aus dem latenten unguten Gefühl heraus, dass eine von diesen Frauen – unsere Heidi der Nation würde zu den meisten noch „Mädchen“ sagen – bei nächster Gelegenheit kalt lächelnd an dir vorbeizieht. Sei es bei der irgendwann vielleicht doch wieder mal frei werdenden interessanten Stelle, sei es als neue Kollegin, vom Stock drüber, die vielleicht dann deine Aufträge bearbeitet. Nicht dass ihr das falsch versteht: Ich freue mich sehr, dass es diese jungen Menschen hier im Haus gibt und das nicht aus den eingangs genannten Beweggründen. Und ich sehe es auch als gerechte Strafe, wenn zumindest in einigen Bereichen der Arbeitswelt dieser Typ Karrierefrau immer öfter den männlichen Mitbewerbern die hohen Hacken zeigt, selbst wenn die besser qualifiziert sind. War ja schließlich lange genug genau anders herum und ist sicher heute auch manchmal noch so, oder?  Doch wenn es einen dann selbst bei der beruflichen Fortentwicklung trifft oder man ab und an diesen Damen dann auch noch „zuarbeiten“ darf, ohne dass deine Leistung dann anschließend in irgendeiner Form noch erkennbar ist, freut man sich weniger. Auch verständlich, oder?

Doch Schwamm drüber, es ist so wie es ist, und warum sollten Frauen sich zu Karriere-Zwecken nicht so aufstellen, wenn sie damit am gerne zitierten Ende des Tages weiterkommen? Grenzwertig finde ich es persönlich nur, wenn diese ingesamt zumindest gefühlt doch stetig größer werdende Dominanz der äußeren Reize gegenüber den inneren Werten nach und nach in jede Ecke des Lebens kriecht. Gerade in der Pöbel-Arena Twitter springen sie dir bei jeder Gelegenheit ins Auge. Also nicht die niedlichen Duckface-Mädels, die einfach nur das tun, was sie immer tun. Nein, ich meine eher den – ich zitiere – „entweder gute Tweets oder blank ziehen“-Typ, der dann in der Regel eben allein durch die zweite Option besticht und ansonsten eher durchschnittliches bis hin zum Dünnpfiff von sich gibt. Doch – ehe jetzt die Empörung losbricht – auch das lässt mich noch vollkommen kalt, denn „jeder Jeck ist halt anders“ und wir sind ja ein freies Land und so. Was dann aber meinen ohnehin schon leicht vorgeschädigten Kopf regelmäßig auf die Tischplatte knallen lässt, sind die (nicht nur männlichen) Zeitgenossen, die diesen Unfug 2.0 dann auch noch manchnmal fast unterwürfig besternen, retweeten und mit seltsamen Pokalen bewerfen.

Beispiele (natürlich frei erfunden) gefällig? Gerne: „War einkaufen, Nutella und ein Kilo Mett“ – Bäm, 10 Sterne, 5 Retweets innerhalb von 2 Minuten. „Rühre gerade eine Fertigsuppe an, Schatzi kommt gleich, #Hach“ – Bäm, 20 Sterne, 12 Retweets und irgendein Pokal. „Mich juckt es gerade, ihr wisst schon wo…“ – Bäm, 30 Sterne, 15 Retweets und mindestens 15 sabbernde Herren, die handgreiflich werden wollen. „Färbe jetzt mein Haar dunhelblond, hellblond ist nicht mehr meins“…. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Leute, das ist vielleicht manchmal ganz lustig aber am Ende doch: Kackscheiße! Und – es folgt die letzte Antwort auf ein mögliches „ja, aber“ von eurer Seite – auch das ist, ich zitiere erneut, wohl tatsächlich „normal, weil es alle machen“. Aber bitte tut mir einen Gefallen: Dann lest und besternt parallel auch die Tweets, über die ernstzunehmende Menschen möglicherweise länger als 10 Sekunden gebrütet haben und stellt unter Beweis, dass ihr mehr seid als die Generation Selfie, die ihr soziales Gewissen mit einem „Gefällt mir“ unter irgendeine gut klingende Online-Petition beruhigt und sich ansonsten die Haare macht und dann „feieren“ oder „shoppen“ geht. Denn eine Plattform wie Twitter ist eigentlich eine große Chance für jeden, der sich darauf bewegt. Deshalb habt Spaß, aber fördert doch nicht jeden Unfug, sonst flüchten diejenigen, die vielleicht einmal mehr um die Ecke denken, nämlich endgültig aus dieser Welt heraus und dann bleibt neben vielen schönen Bildern nämlich nur die Kackscheiße übrig. Und das wollt ihr doch auch nicht, oder? Wenn wir uns darauf einigen, kann ich mit euch leben. Und das nicht nur, weil ich gerne auf der Parkbank sitze und euch beim flanieren zuschaue… 😉 Bis die Tage!

P.S.: Solltet ihr den Text total daneben und aus der Luft gegriffen finden, stellt euch einfach vor, ich hätte lange Haare und stünde auf der Liste für den nächsten Bachelor, oder wie auch immer dieser Puff im Fernsehen sich nennt… 😉

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Herr Overstreet ist „glücklich“

20140310_181238bIch bin glücklich, oder besser gesagt, zufrieden. Das Wort glücklich geht unsereins ja nicht so leicht über die Lippen. Denn es bezeichnet bekanntlich in der Regel eine gefühlte Momentaufnahme. Dauerhaft glücklich ist ja ohnehin nur etwas für Fortgeschrittene, nicht für Anfänger. Aber auch mit dem Moment tun wir uns schwer, wir eher nachdenklichen Zeitgenossen. Denn für uns überwiegt ja eher die Befürchtung, dass es plötzlich wieder vorbeigeht mit dem Glück. Und dafür reichen – wieder ein Unterschied zu den Dickhäutern und Extros dieser Welt – nun einmal manchmal winzige Kleinigkeiten. Und dann fallen sie wieder, die Dominosteine. Hatte ich ja schon beschrieben. In meinem Fall können das bösartige Zeitgenossen am Arbeitsplatz ebenso leicht sein wie ein verlorenes Heimspiel am Europakreisel. Ganz bitter kommt es, wenn es im zwischenmenschlichen Bereich knistert. Ihr kennt das vielleicht, wenn ihr unheimlich viel investiert und ein anderer bekommt das gar nicht mit oder wischt es einfach so vom Tisch wie ein vertrocknetes Krümelchen vom letzten Frühstück. Selbst dran Schuld? Sicher, aber so sind wir eben. Ist mir kürzlich bei Twitter so ergangen. Da verschwand ein Foto, das mir etwas bedeutete und das irgendwie auch für ein scheinbar gewachsenes Vertrauensverhältnis stand, vom Server. Bäm! Kommentarlos gelöscht und weg in den Mülleimer. Kleinigkeit? Sicher, für die meisten Menschen schon. Nicht für unsereins. Wir sehen da mehr als das gelöschte Foto. Inzwischen habe ich das im Griff, das Twitter-Glas ist inzwischen immer halb voll statt halb leer. Ich nehme mir einfach die Freiheit, Spaß zu haben und manchmal sogar so oberflächlich zu handeln wie es dieses Medium verdient. Und immer häufiger treffe ich dabei auf Menschen, die gar nicht so weit weg sind von meiner Gedankenwelt. Vielleicht nicht ganz so kompliziert, aber doch auf vergleichbarer Wellenlänge. Und das macht mich dann zufrieden. Oder eben. Ihr wisst schon, das andere Wort. Mit dieser Strategie komme ich sogar im realen Leben momentan sehr gut hin. Auch dort bin ich immer häufiger „glücklich“. Oder besser gesagt: Die Tiefs zwischen den Hochs werden immer immer instabiler und bringen immer weniger Regen. Und manchmal bin ich sogar „glücklich“, ohne darüber nachzudenken. In diesem Sinne, seit glücklich! Ihr wisst ja eh schon, wie das geht, oder?

Herr Overstreet und die Fastnacht

20140303_163223[1]Aschermittwoch und alles ist vorbei. Alles noch nicht alles, nur das närrische Treiben. „Dann sei doch froh“, werdet ihr denken. Aber so einfach ist das nicht. Denn wie so oft in den letzten Jahren, wenn ich nicht gerade zeitgleich im Trainingslager und somit weit weg war, waren die Tage eine kleine emotionale Achterbahnfahrt. Auf der einen Seite die Abneigung gegen das aggressive Laute, den Alkoholmissbrauch und das an die Steinzeit erinnernde Balzverhalten besonders der jungen männlichen Zeitgenossen. Ja manchmal auch die Distanz zum offen zur Schau gestellten Frohsinn vermeintlich „einfacher“ Menschen, begründet durch die eigene Unfähigkeit, so aus sich raus zu gehen. Möglicherweise damit verbunden auch ein klein wenig Neid auf diese Menschen? Sicherlich, wenn ich lange genug nachdenke. Auf der anderen Seite aber die Liebe zur Heimatstadt, den Ritualen, den geschliffenen Vorträgen und den Liedern, die ans Herz gehen. Doch das ein lässt sich kaum vom anderen trennen und so klappte es dann weder mit der Zurückhaltung noch mit der wirklich aktiven Beteiligung. Fürs nächste Jahr braucht es also eine Strategie. Vielleicht braucht es einfach nur eine Maske, so wie diese virtuelle, um unbeschadet und zufrieden durch die Tage zu kommen?