Monat: Mai 2014

Warum mich kein Orthopäde mehr zu Gesicht bekommt

2010 European Athletics Championships – Women's 3000 metres steeplechase.}} |Source=http://www.flickr.com/photos/pemisera/4845907409/

Europameisterschaft 2010 – Finale 3000m Hindernis Quelle: Pemisera

Mehr als 6 Jahre ist es jetzt her, als das Läufer-Unheil seinen Anfang nahm. Ende Februar 2008 rannte ein Kind nicht nur einem Ball hinterher, sondern auch noch mit voller Wucht in mich hinein – nicht einmal 24 Stunden, nachdem ich mit den besten Trainingsresultaten meines Lebens aus dem Trainingslager in Spanien zurückgekommen war. Alle Zeichen stand auf Bestzeit, die sub 2:35 im Marathon schien nur noch Formsache. Schien. Der Schlag – Knie an Knie – traf mich überraschend, ich hatte den Jungen zwar kommen sehen, aber nicht damit gerechnet, dass er mich übersieht. Ein kurzer, sehr heftiger Schmerz, der die um mich herum stehenden zum lachen brachte: Wird doch nicht so schlimm gewesen sein! Doch, war es. Eine Woche passierte nichts, bis auf ein dumpfes Gefühl. Dann ging von einer Minute auf die nächste nichts mehr. Selbst die Treppen zum Arzt kam ich nur mit großer Mühe auf einem Bein springend hoch.

Diagnose: „Bone bruise“ (eine schwere Knochenprellung) des Knies. Alles halb so wild, sprach eine Woche später der behandelnde Orthopäde – selbst Sportler. Natürlich könne ich bald wieder laufen, das sei sogar wichtig. Gesagt getan. Es folgten mehrerer dieser Anläufe und Rückschläge, weitere Besuche beim Orthopäden. Das wird schon! Irgendwann wurde es dann auch, doch so richtig sauber lief ich viele Jahre nicht mehr und mit versauter Technik und kaum erkennbarer Schonhaltung kamen auch keine Ergebnisse. Richtige Schmerzen hatte ich aber nie mehr, allenfalls mal punktuell bei bestimmten übermotivierten Bewegungen. Allerdings schwoll das Knie nach längeren Läufen immer wieder an. Mehr aber nicht.

Im letzten Herbst bin ich dann wegen muskulärer Probleme an der Oberschenkelmuskulatur (vermutlich wegen der jahrelangen Schonhaltung) auf Umwegen auf den Stuhl eines anderen Orthopäden geraten. Jedenfalls für knappe 10 Minuten. So lange hat es gedauert, bis er auf Basis eines neues MRT-Bildes – und nur auf dieser Basis – entschied: „Das wars mit Sport, allenfalls ein wenig Radfahren, auch kein Krafttraining. Tut mir leid.“ Er könne mir allenfalls noch anbieten, meine O-Beine operativ zu begradigen, wenn ich den endlich zugäbe, dass ich Schmerzen habe. Denn die müsse ich haben, und wenn ich die nicht fühle, blende ich sie wohl aus. Hatte ich aber nicht, bis auf die an der Muskulatur. Gefiel dem guten Mann gar nicht und zwar so wenig, dass ich das Rezept für die Einlage, die seitdem in jedem Alltagsschuh deckt und tolle Arbeit leistet, erst nach mehrmaliger Nachfrage – man könnte es auch Betteln nennen – bekam. Dann war er weg, Rezept für Physiotherapie gabs natürlich nicht. Nicht für den Kassenpatienten, der einfach keine Beschwerden zugeben will.

Inzwischen weiß ich: Die Verletzung damals war mit hoher Wahrscheinlichkeit Auslöser für den Knorpelschaden, der genau an der Stelle sitzt, wo das Knie vor Jahren die Prellung hinterließ. Doch selbst davon wollte der Orthopäde nichts wissen. Das liegt an dem jahrelangen Gerenne. Basta. Bitte nicht falsch verstehen: Selbstverständlich ist mir klar, dass Leistungssport kein Gesundheitssport ist und das die einseitige Belastung erheblich dazu beigetragen hat, was aus der Ausgangsverletzung geworden ist. Nur war unsere Schulmedizin ja nicht ganz unbeteiligt an diesem Lauf der Dinge. Und ich sehe auch nicht ein, warum ein Sportler mit BMI 20, unter 10 Prozent Körperfett und halbwegs vernüftiger Lebensweise nicht genauso ein Recht auf vernünftige ärztliche Beratung haben sollte wie jeder Übergewichtige, der sich nur vom Sofa zum Auto bewegt und seine Arthrose genau deshalb entwickelt. Dass das einzige, was mir an Hilfe angeboten wurde, eine teure Begradigungsoperation (mit sehr unsicherer Prognose) noch vor Ausschöpfung anderer Maßnahmen wie Einlagen, Physiotherapie, Ernährung und Co. war, hinterließ bei mir einen mehr als faden Beigeschmack. Mein langjähriger Trainer Peter Greif fasste das alles wie von ihm gewohnt knapper zusammen: „Das ist doch ein Vollpfosten!“

Doch die Dinge lassen sich jetzt nicht mehr ändern. Zum Zeitpunkt des Arztbesuches hatte ich mir für den Fall der Fälle schon ein für mich drastisches Programm zusammengestellt, dass der Schulmediziner leider aber nicht mit mir besprechen wollte. Also suchte ich mir Rat in der Szene und bekam viele ermutigenden Reaktionen, für die ich noch heute sehr dankbar bin. Details spare ich mir an der Stelle, zusammengefasst sieht es für zunächst einmal ein Jahr so aus: Reduzierung des Trainingsumfangs auf weniger als die Hälfte, 5 statt 7 Lauftage, maximal einen mittellangen Lauf von 15-18km, ansonsten Mittelstreckentraining mit wenigen „sauberen“ intensiven Belastungen auf der Bahn und viel begleitendes Krafttraining, Stretching, Fußkraft etc. Experimentiert habe ich auch mit Barfußlaufen, mit dem viele ähnlich Geschädigte gute Erfahrungen gemacht haben. Der damit erzwungenen knieschonenden natürlichen Technik komme ich beim Mittelstreckentraining und den Sprints mit Spikes sehr nahe. Und tatsächlich hatte ich bei diesen Einheiten zu keinem Zeitpunkt bislang einmal irgendwelche Probleme. Bei längeren Läufen auf der Straße muss ich hingegen schon aufgrund der fortschreitenden Ermüdung irgendwann sehr konzentriert laufen, um „sauber“ zu bleiben. Mit dieser Strategie folge ich dem Ansatz von Dr. Fernando Dimeo, den er in einem Artikel auf der Seite von Herbert Steffny beschrieben hat – und zwar frühzeitig, bevor ich dort beschriebenen Probleme überhaupt habe. Parallel dazu versuche ich es ebenfalls für ein Jahr mit der Ernährungsstrategie von Wolfgang Feil, den ich aus gemeinsamen Trainingsurlauben auch persönlich kenne.

Aktuell nach etwas mehr als einem halben Jahr kann ich ein positives Zwischenfazit ziehen. Schmerzen habe ich immer noch nicht und der Laufstil verbessert sich immer weiter. Mangels Schmerzen steuere ich die Belastungen orientiert an Schwellungen, die ja in der Phase vor der Umstellung regelmäßig auftraten. Hier habe ich inzwischen praktisch keine Reaktionen mehr. Das Bein lässt sich zu jeder Tages- und Nachtzeit beugen, wenngleich noch immer nicht so weit wie das andere, was aber eher an der jahrelangen Schonhaltung zu liegen scheint. Aber daran arbeite ich permanent genauso wie an der Wiederherstellung der Beinstreckung. Natürlich gibt es keine Garantie, dass das alles so auf Jahre hin funktioniert. Aber eine Garantie gibt es: Dass es schneller schlechter würde, wenn ich dem einzigen Rat des Orthopäden folgen würde, nur noch auf dem Sofa liegen und mich selbst bedauern würde.Schließlich weiß inzwischen jeder, das angepasste Bewegung bei Arthrose sogar ein Muss ist. Nur scheint es zumindest bei meinem Orthopäden keine Einsicht zu geben, dass „angepasst“ bei einem Menschen mit 20 Jahren Marathontraining in den Beinen erst einmal anders aussehen muss als beim übergewichtigen Bewegungsmuffel. Deshalb sieht mich diese Gattung Mediziner sicher (freiwillig) nie wieder!

P.S.: Fast vergessen: Medikamente nehme ich selbstverständlich keine, wenn man einmal von Gewürzquark nach Wolfgang Feil absieht! 😉

 

 

 

800m-Debüt oder der blöde Satz mit X

Bild: Holger Weinandt

Bild: Holger Weinandt, Koblenz

Das war wohl nix! 11 Tage nach dem mit angezogener Handbremse gelaufenen Halbmarathon sollte gestern Abend ein guter Einstand über die 800m gelingen. Noch nie zuvor bin ich diese Strecke gelaufen, selbst die 1500m bislang nur einmal in meinem Läuferleben. Dem stehen zwar unter anderem mehr als 50 Marathons, unzählige Halbmarathons und 10km-Läufe entgegen, doch die helfen dir bei den 2 Stadionrunden bekanntlich nicht wirklich. Dennoch war ich optimistisch, dass die inzwischen gut ein halbes Jahr dauernde „Umschulung“ schon erst Früchte tragen würde. Nach den Traningsergebnissen war eine 2:15 möglich, eine Zeit unter 2:20 fast Pflicht. Es kam dann anders. Durch die Vielzahl der Teilnehmer verschob sich mein Start an diesem schwül-warmen Mittwochabend nach und nach Richtung 21 Uhr. Zu dem Zeitpunkt war ich schon fast drei Stunden auf der Anlage und fühlte mich mit jeder Minute müder und platter. Und dann nahmen die Dinge ihren üblen Lauf. Schon nach 400m in gerade einmal 68 Sekunden schienen mir wie aus dem Nichts Arme und Beine abzusterben, sofort war die Lücke da und meine Trainingspartnerin, mit der ich über Monate fast jede Einheit fast auf die Sekunde genau identisch abgeschlossen hatte, mit einigen anderen enteilt. In dem Moment fehlte mir dann schlichtweg die Erfahrung auf dieser schwierigen Distanz, um mich noch einfach durchzumogeln. Mitm 2:20;87min blieb ich dann deutlich über dem persönlichen Ziel. Ich habe momentan noch keine Idee, woran es lag. Möglicherweise kam bei mir die noch ungewohnte Wärme und die späte Startzeit zusammen, vielleicht war ich auch einfach nur nicht gut drauf an dem Tag. In 2 Wochen stehen dann die 1500, meine eigentliche Hauptstrecke für diesen Sommer, an. Da muss dann mehr kommen.

Die Macht der Aggregatoren

bertramgugel_aggregationslandkarte

Bertram Gugel: Aggregations-Landkarte (http://www.gugelproductions.de/blog/2014/aggregation.html)

Unter der Überschrift „Aggregation: Wettstreit von Sendern, Plattformen und Ökosystemen“ übernahm Bertram Gugel im Rahmen der Media Convention in Berlin die Einleitung in ein Thema, das schon seit einigen Jahren durch die betroffenen Medien-Branchen geistert. Dabei gab es zwar an inhaltlichen Details nicht viel neues zu erfahren. Jedoch hat er mit seiner Präsentation die Entwicklung im Zeitablauf so überzeugend auf einer interaktiven Landkarte veranschaulicht, wie ich es persönlich bislang noch selten gesehen habe. Interessant dabei auch die Zusammenhänge, die er zwischen den unterschiedlichen Formen von Aggregatoren aufzeigt. Hiernach seien – und dies leigt auf der Hand – die „umfassenden Aggregatoren“ wie Amazon Instant Video, Google Play, iTunes, Watchever und natürlich Youtube oder Netflix mit ihrer zum Teil unüberschaubaren Zahl (vergleichbarer) Inhalte mittel- bis langfristig mit Abomodellen im Wettbewerb miteinander nur dann erfolgreich, wenn es ihnen gelingt, relevante Nutzerzahlen zu generieren, die geringe Wertschöpfung pro Nutzer zu kompensieren. Die besten Chancen haben dabei die Anbieter, die sich durch hochwertige exklusive Inhalte zumindest für eine gewisse Phase von der Konkurrenz abheben könnnen. Dies erklärt den Erfolg von Netflix genauso wie die Ansätze von Amazon oder auch Watchever, sich mit eigenen Serien zu profilieren. Auf diese Karte setzt auch Sky, das als „selektiver Aggregator“ aktuell mit exklusiver Sportberichterstattung und schneller Verfügbarkeit hochwertiger Serienware Boden gegenüber den privaten und öffentlich-rechtlichen „Selektierern“ gut macht.

Allerdings ist Sky schon heute abhängig von den Scharnierstellen der digitalen Medienlandschaft Google und Apple, die nach und nach mit ihren Betriebssystemen die fast beliebige Verfügbarkeit von Medieninhalten möglich machen. Gerade sind diese mächtigen Player dabei, mit Chromecast und Co. den TV-Bildschirm zu erobern. Ihnen im Weg stehen eigentlich nur noch die noch immer nicht verwirklichte flächendeckende Grundversorgung mit schnellem Internet und die Sehgewohnheiten der älteren Zuschauer. Beide Bremsklötze des Medienwandels dürften in den nächsten Jahren allerdings immer stärker abgerieben werden und irgendwan ganz verschwinden. Spätestens dann werden die aktuell noch dominierenden selektiven Anbieter auf dem TV-Markt – unabhängig von ihrer Finanzierungsart – unter noch größeren Wettbewerbsdruck geraten. Dann stehen sich nicht nur die spezialisierten und deshalb vergleichsweise kostengünstigen  VoD-Plattformen mit „umfassendem“ Angebot untereinander, sondern ihnen darüber hinaus noch die etablierten Anbieter des TV-Marktes gegenüber, die um die Gunst der Zuschauer mit ihren selektiven Vollprogrammen oder Premium-Programmen werben müssen. Gewinnen werden dabei aber wohl auf jeden Fall Apple und Google, ohne die diese Anbieter gar nicht erst zum Kunden gelangen! Ein Szenario, das übrigens der ehemalige ZDF-Intendant Markus Schächter den Verlegern bei der Auseinandersetzung um die Internetaktivitäten von ARD und ZDF aufgezeigt hatte.

Krautreporter und die deutschen „Tugenden“

Mir ist es peinlich, aber ich kann es nicht mehr ändern. Wenn es noch eines letzten Beweises bedurft hätte, dass ich trotz Studium, Promotion und durchaus vorzeigbarer beruflicher wie sozialer Aktivitäten doch immer ein schlicht denkender Mensch bleiben werde, dann liegt er jetzt auf dem Tisch: Ich bin dabei, schon am ersten Tag habe ich meine 60€ bereitgestellt für das Projekt Krautreporter. Spontan, einfach so, aus dem Bauch heraus. Weil ich es einfach (natürlich „einfach“!) gut finde, wenn Menschen mal was riskieren. In einer Sache, in der eigentlich Einigkeit besteht. Über die nun seit Jahren auf vielen wichtigen Podien gestritten wird. Und ich habe mir dabei keine Gedanken gemacht, ob ausreichend Frauen vom Start weg dabei bin (obwohl ich persönlich gerne mehr sehen würde), schon gar nicht kann ich mich wie Herr Matzat an dem „lieblosen und schlichten Design“ stoßen. Letzteres lässt sich aber wohl auch dadurch leicht erklären, dass ich eher an Inhalten interessiert bin als an der Verpackung. Auch die „Kollegenschelte“, die etwa Herr Bouhs ausmacht, konnte ich bislang auf der Internetseite so nicht finden, auch wenn man sicher immer über Formulierungen streiten kann. Aber der Kollege schießt ja offensichtlich ohnehin gern mal mit großem Kaliber auf kleine blaue Twitter-Vögelchen. Ich gehöre jedenfalls sicherlich nicht der „Szene“ an, daran werde ich jedenfalls des öfteren erinnert, wenn ich ihr begegne – was nicht selten der Fall ist… ;-). Diese zufällig entstandene, weil mir ins Auge gefallene und somit rein subjektive Reihe ließe sich fortsetzen, doch dies würde die Diskussion nur erneut befeuern und genau dies ist zumindest jetzt nicht geboten. So sind wir halt, wir Deutschen. Wir legen uns nun mal gerne im Sessel zurück und sezieren genüsslich, was andere gerade auf die Beine zu stellen versuchen. Alexander Mazzara von Joiz hat dazu auf der re:publica wie ich finde recht emotionslos und gerade deshalb treffend Stellung bezogen:

Dass die eher sachlichen Kommentare von etablierten Medien wie der „FAZ“ oder „Die Zeit“ kommen, verwundert mich ebenso wenig wie die Tatsache, dass es bei Twitter besonders hoch her geht. Dazu habe ich mich ja an anderer Stelle bereits geäußert. Ich habe auch gar nichts gegen sachliche Kritik. Doch zumindest diejenigen, die – wie in oder zumindest zwischen den Zeilen ständig zu lesen war – „das Projekt grundsätzlich gut finden“, könnten ja dann gerade bei Twitter ihre Schlagworte vielleicht so wählen, dass dies auch für die vielen Nutzer, die eben keine Blogs oder lange Artikel lesen, erkennbar bleibt, oder? Was für mich am Ende übrig bleibt ist die Erwartung, dass das Projekt „Krautreporter“ schon platt gemacht sein wird, bevor es sich beweisen konnte. Dann können sich alle wieder zurücklehnen in ihrem Sessel, um bei nächster Gelegenheit wieder ausgeruht auf dem Podium über die Zukunft des Jounalismus zu streiten. Dann mal: Bis die Tage! Übrigens. Wer diese Zeilen jetzt überzogen und überhaupt nicht ausgewogen findet: Ja, das gehört so, in diesem speziellen Fall!

Mittelstreckler läuft Halbmarathon

HM Mainz 2104

HM Mainz 2104

Eigentlich wollte ich dieses Jahr gar nicht mitlaufen. Fast unvorstellbar schien mir ein halbwegs vorzeigbarer Halbmarathon mehr als ein halbes Jahr nach der für mich so dramatischen Umstellung des Trainings. Standen im Vorjahr noch Trainingswochen mit 7 Laufeinheiten und bis zu 130km, regelmäßig ein langer Lauf bis zu 35km und Tempodauerläufe bis 15km auf dem Programm, waren es seither 5 Einheiten mit ca. 50km/Woche, ab der Jahreswende 2 fordernde Tempoeinheiten mit vielen schnellen kurzen Läufen (früher fingen Tempoläufe bei 1000m, heute hören sie hier auf) und einem „Schwellenlauf“ am Donnerstag. Letzterer konnte als Zwischeneinheit zwei Tage nach bzw. vor den Kerneinheiten nur deutlich langsamer als früher absolviert werden (zuletzt 4:08/km!) und war maximal 10km lang. Echte extensive längere Läufe fanden nicht statt. Stattdessen ein ruhiger sonntäglicher Dauerlauf von knapp über 5min/km als Erholungseinheit nach dem Tempoläufen am Samstag. Und selbst diese Läufen gingen wochenlang nicht über 15-16km hinaus, erst die letzten Wochen ging es drei oder viermal bis an die 20km. Kurz und knapp: Ich hatte keine Ahnung, wie ich den Halben angehen sollte. Daher wollte ich dann doch teilnehmen, aber nicht „voll“ laufen, sondern nach Gefühl, etwa den 4er-Schnitt anpeilend. Am Ende klappte das trotz der nicht optimalen Bedingungen viel besser als erwartet. Die ersten 3km in 3:50/km etwas zu schnell, dann ruhiger werdend sich auf knapp unter dieser Marke einpendelnd. Das Laufgefühl war dabei immer entspannt, eher wie bei einem flotten Trainingslauf. Bei Km15 muss ich dann knapp unter 60 Minuten durchgegangen sein (das Schild suchte ich wie viele andere vergeblich). Ein paar Minuten später erhöhte ich dann das Tempo schrittweise, ohne ganz ans Limit zu gehen. Die letzten 5km müssen dann so noch mit etwa 19 Minuten weggegangen sein. Jedenfalls sammelte ich noch viele Läufer ein und hatte sogar noch Reserven für schnelle letzte 200m. Ergebnis: 1:23:19, gute 9 Minuten über meiner PB und immerhin noch 4 Minuten langsamer als die Durchgangszeiten beim Marathon noch vor einigen Jahren. Auf jeden Fall waren an dem Tag noch 1-2 Minuten an Reserve drin, viel mehr sicher nicht. Dafür konnte ich zwei Tage später schon wieder die ersten Sprints auf der Bahn machen. Außerdem weiß ich nun, dass mit nur kleinen Anpassungen im Vorfeld sogar eine brauchbare Zeit möglich wäre. Und für den für 2017 geplanten „Abschluss-Marathon“ in Boston (und den Quali-Lauf vorher) muss ich wohl gar nicht so viel anders machen, wenn ich lediglich die 3h-Marke im Blick habe.

Blogger, die Gesellschaft hört euch nicht!

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Bedingt durch die ein oder andere sportliche Großveranstaltung in Mainz am vergangenen Wochenende melde ich mich erst jetzt zu Wort. Umso erstaunter bin ich. Es mag daran liegen, dass ich als Alt-Blogger aus der Mitte der Gesellschaft ohne elitären Anspruch und Sprache einfach nicht genug Blogs kenne. Dann sei mir vorab verziehen. Gleichwohl verwundert es mich doch sehr, dass ich den mir momentan zugänglichen Blogs zu einer der wichtigsten Fragen der re:publica 14, die über den Tellerrand der Szene hinausgehen, allenfalls in einzelnen Randbemerkungen etwas finde. Meist geht es dann aber nur darum, wieder einmal rauszustellen, dass man den alten Mann mit der gewöhnungsbedürftigen Frisur nicht mag und ihm schon gar nicht traut. Schwamm, drüber. Interessiert mich nicht. Interessiert auch draußen niemanden. Dürft ihr mir glauben. In anderen Fällen scheint die Wahl der besuchten Sessions von Außen betrachtet trotz dreitägiger Teilnahme getreu der Leitlinie „ich mach die Welt, so wie sie mir gefällt“ erfolgt zu sein. Nix gegen Eltern- und Väterblogs, ab die Mitte der Gesellschaft ist so allein nicht zu erreichen. Jedenfalls nicht im ersten Schritt. Dürft ihr mir glauben. Wirklich.

Ich hätte hingegen mehr erwartet zur Frage: Wie erreichen wir mit unseren Themen endlich die Gesellschaft und wollen wir das eigentlich? Damit kein falscher Eindruck entsteht: Mich hat diese unglaubliche Themenvielfalt und die Leidenschaft, mit denen diese beackert wird, beeindruckt und fasziniert. Doch es bleibt bei mir als Beobachter am Wegesrand, der – verzeiht diese klare Sprache – dieser Karawane der Detail- und auch zuweilen Selbstverliebten mit staunenden Augen nachschaut, ein Gefühl der Ratlosigkeit zurück. Warum fordert keiner von Euch endlich mal eine wirkliche Öffnung nach Außen ein? Diese Gesellschaft kennt euch einfach nicht und kann euch deshalb nicht hören! Schlimmstenfalls werdet ihr mit der realpolitischen Praxistauglichkeit der Piraten in einen Topf geworfen und ich hatte nicht den Eindruck, dass ihr das durch die Bank alle wollt. Natürlich haben die „Grünen“ ähnlich angefangen. Doch die fanden rasch zumindest bei den jungen Menschen eine Basis. Eine Basis, die eurer Bewegung fehlt, weil ihr größtenteils eine andere Sprache sprecht und zuweilen mit seitenlangen Blogeinträgen eine Jugend ansprechen wollt (wollt ihr das?), die bekanntlich gerne auch als Generation Youtube beschrieben wird. Y-Titty hat sich dazu in einem Interview mit dem WDR überaus sachlich und treffend geäußert:

Y-Titty auf der re:publica

Ähnlich ließe sich wohl das Verhältnis zu den politischen Entscheidungsträgern des Landes über alle Ebenen beschreiben. Der berühmte „Gang durch die Institutionen“ ist überfällig, wenn ihr wirklich nachhaltig etwas bewegen wollt! Ich versichere euch: In jedem größeren Ortsverein einer politischen Partei in Deutschland findet ihr mindestens einen Vertreter, der für die Themen der Netzwelt nicht nur empfänglich ist, sondern möglicherweise geradezu darauf wartet, angesprochen zu werden. Um diese Menschen alle zu erreichen, müsst ihr natürlich die Scheuklappen ablegen und konsequent in allen demokratischen politischen Gewässern auch jenseits von SPD und Gründen fischen. Denn ihr wollt ja Mehrheiten für eine Sache gewinnen, oder? Ebenso wie das Netz in allen Bereichen der Gesellschaft angekommen ist, müssen diejenigen, die sich am besten damit auskennen, dies auch endlich tun. Die re:publica 14 war gemeinsam mit der media convention gemessen an der (optischen) Vielfalt der Besucher doch ein Beleg für diese These (die zahlreichen PR-Tussies, die sich unters Volk gemischt hatten, müsst ihr halt aushalten! Bis die Tage!

Hier das gesamte WDR-Interview mit LeFloid:

 

Herr Overstreet auf der re:publica 2014

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Wow, das ging ja schnell vorbei. Herr Overstreet war auf der re:publica und es ist Zeit, ein kurzes Fazit zu ziehen. Mein naturgemäß äußerst subjektives und noch nicht mit Dritten diskutiertes Gesamturteil lässt sich schon aus der Überschrift dieses kleinen Artikels ablesen. Denn streng genommen gehörte ich zu den gemessen an der Resonanz in den Sälen scheinbar überschaubaren Zahl an Teilnehmern, die auch an der fast zeitgleich zur #rp14 laufenden media convention teilnehmen konnten. Und ganz streng genommen war letztgenannte ja „meine“ Veranstaltung, schließlich mache ich ja „irgendwas mit bewegten Bildern“, die primär linear konsumierbar sind. Also dieses Fernsehen. Im Ergebnis hatte ich dann aber eigentlich zu keinem Zeitpunkt wirklich das Gefühl, bei dieser Veranstaltung angekommen zu sein. Irgendwo bei Twitter fand ich dazu den passenden Kommentar: „Bei der #rp14 duzt man, hier oben siezt man“. In der gelebten Praxis ging es dann aber durchaus nicht so geordnet zu, weil man sich auf den Podien „oben“ teilweise aufs „Du“ geeinigt hatte, „unten“ aber auffallend oft gesiezt wurde, was dem ein oder anderen geübten Teilnehmer der re:publica dann übel aufgestoßen sein muss.

Möglicherweise hatte ich einfach nur Pech mit der Wahl meiner Programmpunkte bei den Medienmenschen. Möglicherweise trugen die trotz den mit bekannten Namen besetzten Podien nur selten ganz gefüllten Ränge auf der einen und überfüllte Hallen auf der anderen Seite auch unbewusst zum Urteil bei. Was ich jedoch sicher ausschließen kann ist der Verdacht, dass mein Urteil durch die feierliche Eröffnung, die Party am Dienstagabend oder die Abschlussfeier beeinflusst sein könnte. Denn terminbedingt konnte ich nur einige Stunden am Dienstagnachmittag und den kompletten Mittwoch teilnehmen. In dieser knappen Zeit galt es dann so viel wie möglich von beiden Veranstaltungen mitzunehmen (was schon allein bei der re:publica angesichts der Themenvielfalt ein große Aufgabe ist) und eben auch zu verzichten auf das drumherum und zwischendurch. Leider blieb so auch keine Zeit, wenigstens eine wenige digitale Kontakte in analoge Gespräche zu überführen, was ich im Nachhinein sehr bedaure.  Doch jetzt genug der Vorrede. Angesehen und gehört habe ich mir:

Aggregation: Plattformen (Prof. Goldhammer, Timm Richter/Xing, Manuel Uhlitzsch/MyVideo, Stefan Zilch/Spotify)

Looking for Freedom (Mikko Hypponen, David Hasselhoff)

Rede zur Lage der Nation (Sascha Lobo)

Bildung verfangen im Netz? (Max Woodtli)

Großbaustelle Qualitätsfernsehen (Dr. Brosda/Stadt Hamburg, Thomas Frickel/AG DOK, Prof. Rotermund/Uni Leuphana, Patrica Schlesinger/NDR)

Lohnt sich Onlinejournalismus überhaupt noch? (Sascha Pallenberg, Richard Gutjahr, Claudia Heydolph, Philip Banse)

Du verstehst mein Fernsehen nicht (Alexander Braun/LeFloidArmy, Heike/Schülerin, LeFloid, Christoph Krachten/MediaKraft, Yvonne Olberding/EinsPlus)

Hätte, Hätte, Verwertungskette (Torsten Frehse/Neue Visionen Fimverleih, Jabob Lass/ Regisseur, Andrea Stosiek/Sputnik Kino, Andreas Wildfang (Realeyz.tv)

Youtube and the new News (Johnny Haeusler, Le Floid)

Was mir dabei neben der Location und der angenehmen Stimmung besonders gut gefiel:

  • die Substanz und Authentiziät der Beiträge und Diskussionsteilnehmer auf der re:publica
  • die Selbstverständlichkeit, Unaufgeregtheit und Offenheit, die z.B. ein LeFloid an den Tag legte
  • die vielen Ideen und Ansätze, guten Journalismus irgendwie doch am Leben zu erhalten
  • die zahlreichen Anregungen und Informationen, die ich für die eigene Arbeit in der „alten Welt“ mitgenommen habe
  • der Herr Lobo mit seiner Wutrede
  • schließlich, wie es die Online-Ausgabe  der Zeit so passend formulierte, an einer Veranstaltung von „normalen Menschen für normale Menschen“ teilzunehmen

Weniger gut kam bei mir hingegen an bzw. gab mir zu denken:

  • der unübersehbare Graben zwischen „alter“ und „neuer“ Medienwelt, losgelöst von Kleidung, Sprache und Umgang
  • diese offenbar nicht auszurottende latente Spur der Überheblichkeit einiger Vertreter des klassischen Fernsehens nach dem Motto: „Ihr versteht das nicht, ich erkläre es euch
  • der gleichzeitige Versuch, mit einer Art Umarmung der neuen Stars der Szene die eigenen Probleme bei der Erreichung junger Menschen in den Griff bekommen zu wollen, ohne sich selbst bewegen zu müssen und das Beharren auf der Position, dass der Spagat zwischen Qualität und Quote so gut gelinge wie je zuvor
  • die nicht wenigen Podiumsteilnehmer, die es aus welchen Gründen auch immer nicht schafften, tatsächlich etwas zum Thema beizutragen
  • die teilweise anstrengenden Bedingungen bei den Sessions der re:publica und die Tatsache, dass ich die ein oder andere Veranstaltung wegen Überfüllung nicht besuchen konnte

Entlassen wurde ich am späten Mittwochabend dann mit dem Gefühl, persönlich irgendwie noch mehr zwischen den beiden Medienwelten zu stehen als zuvor. Denn meine zum Teil kritischen und skeptischen Ansichten zu bestimmten Strömungen der alten TV-Welt, in der ich mich täglich bewege, habe einerseits wieder einmal frische Nahrung bekommen. Andererseits haben die Hoffnungen, dass „wir“ die Kurve noch rechtzeitig bekommen, weitere kleine Dämpfer bekommen, womit ich nicht gerechnet habe. Gleichzeitig ist die neue Welt in weiten Teilen doch für mich noch eine fremde, in die es mir schon altersbedingt schwer fällt, einzudringen, ohne erst einmal skeptisch beäugt zu werden. Aber gerade deshalb wäre ich sicherlich jemand, der etwas zur Überwindung des „mentalen“ Grabens beitragen könnte. Wenn ich denn gefragt würde. Ansonsten: Ich komme gerne wieder, nächstes Jahr!