Herr Overstreet auf der re:publica 2014

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Wow, das ging ja schnell vorbei. Herr Overstreet war auf der re:publica und es ist Zeit, ein kurzes Fazit zu ziehen. Mein naturgemäß äußerst subjektives und noch nicht mit Dritten diskutiertes Gesamturteil lässt sich schon aus der Überschrift dieses kleinen Artikels ablesen. Denn streng genommen gehörte ich zu den gemessen an der Resonanz in den Sälen scheinbar überschaubaren Zahl an Teilnehmern, die auch an der fast zeitgleich zur #rp14 laufenden media convention teilnehmen konnten. Und ganz streng genommen war letztgenannte ja „meine“ Veranstaltung, schließlich mache ich ja „irgendwas mit bewegten Bildern“, die primär linear konsumierbar sind. Also dieses Fernsehen. Im Ergebnis hatte ich dann aber eigentlich zu keinem Zeitpunkt wirklich das Gefühl, bei dieser Veranstaltung angekommen zu sein. Irgendwo bei Twitter fand ich dazu den passenden Kommentar: „Bei der #rp14 duzt man, hier oben siezt man“. In der gelebten Praxis ging es dann aber durchaus nicht so geordnet zu, weil man sich auf den Podien „oben“ teilweise aufs „Du“ geeinigt hatte, „unten“ aber auffallend oft gesiezt wurde, was dem ein oder anderen geübten Teilnehmer der re:publica dann übel aufgestoßen sein muss.

Möglicherweise hatte ich einfach nur Pech mit der Wahl meiner Programmpunkte bei den Medienmenschen. Möglicherweise trugen die trotz den mit bekannten Namen besetzten Podien nur selten ganz gefüllten Ränge auf der einen und überfüllte Hallen auf der anderen Seite auch unbewusst zum Urteil bei. Was ich jedoch sicher ausschließen kann ist der Verdacht, dass mein Urteil durch die feierliche Eröffnung, die Party am Dienstagabend oder die Abschlussfeier beeinflusst sein könnte. Denn terminbedingt konnte ich nur einige Stunden am Dienstagnachmittag und den kompletten Mittwoch teilnehmen. In dieser knappen Zeit galt es dann so viel wie möglich von beiden Veranstaltungen mitzunehmen (was schon allein bei der re:publica angesichts der Themenvielfalt ein große Aufgabe ist) und eben auch zu verzichten auf das drumherum und zwischendurch. Leider blieb so auch keine Zeit, wenigstens eine wenige digitale Kontakte in analoge Gespräche zu überführen, was ich im Nachhinein sehr bedaure.  Doch jetzt genug der Vorrede. Angesehen und gehört habe ich mir:

Aggregation: Plattformen (Prof. Goldhammer, Timm Richter/Xing, Manuel Uhlitzsch/MyVideo, Stefan Zilch/Spotify)

Looking for Freedom (Mikko Hypponen, David Hasselhoff)

Rede zur Lage der Nation (Sascha Lobo)

Bildung verfangen im Netz? (Max Woodtli)

Großbaustelle Qualitätsfernsehen (Dr. Brosda/Stadt Hamburg, Thomas Frickel/AG DOK, Prof. Rotermund/Uni Leuphana, Patrica Schlesinger/NDR)

Lohnt sich Onlinejournalismus überhaupt noch? (Sascha Pallenberg, Richard Gutjahr, Claudia Heydolph, Philip Banse)

Du verstehst mein Fernsehen nicht (Alexander Braun/LeFloidArmy, Heike/Schülerin, LeFloid, Christoph Krachten/MediaKraft, Yvonne Olberding/EinsPlus)

Hätte, Hätte, Verwertungskette (Torsten Frehse/Neue Visionen Fimverleih, Jabob Lass/ Regisseur, Andrea Stosiek/Sputnik Kino, Andreas Wildfang (Realeyz.tv)

Youtube and the new News (Johnny Haeusler, Le Floid)

Was mir dabei neben der Location und der angenehmen Stimmung besonders gut gefiel:

  • die Substanz und Authentiziät der Beiträge und Diskussionsteilnehmer auf der re:publica
  • die Selbstverständlichkeit, Unaufgeregtheit und Offenheit, die z.B. ein LeFloid an den Tag legte
  • die vielen Ideen und Ansätze, guten Journalismus irgendwie doch am Leben zu erhalten
  • die zahlreichen Anregungen und Informationen, die ich für die eigene Arbeit in der „alten Welt“ mitgenommen habe
  • der Herr Lobo mit seiner Wutrede
  • schließlich, wie es die Online-Ausgabe  der Zeit so passend formulierte, an einer Veranstaltung von „normalen Menschen für normale Menschen“ teilzunehmen

Weniger gut kam bei mir hingegen an bzw. gab mir zu denken:

  • der unübersehbare Graben zwischen „alter“ und „neuer“ Medienwelt, losgelöst von Kleidung, Sprache und Umgang
  • diese offenbar nicht auszurottende latente Spur der Überheblichkeit einiger Vertreter des klassischen Fernsehens nach dem Motto: „Ihr versteht das nicht, ich erkläre es euch
  • der gleichzeitige Versuch, mit einer Art Umarmung der neuen Stars der Szene die eigenen Probleme bei der Erreichung junger Menschen in den Griff bekommen zu wollen, ohne sich selbst bewegen zu müssen und das Beharren auf der Position, dass der Spagat zwischen Qualität und Quote so gut gelinge wie je zuvor
  • die nicht wenigen Podiumsteilnehmer, die es aus welchen Gründen auch immer nicht schafften, tatsächlich etwas zum Thema beizutragen
  • die teilweise anstrengenden Bedingungen bei den Sessions der re:publica und die Tatsache, dass ich die ein oder andere Veranstaltung wegen Überfüllung nicht besuchen konnte

Entlassen wurde ich am späten Mittwochabend dann mit dem Gefühl, persönlich irgendwie noch mehr zwischen den beiden Medienwelten zu stehen als zuvor. Denn meine zum Teil kritischen und skeptischen Ansichten zu bestimmten Strömungen der alten TV-Welt, in der ich mich täglich bewege, habe einerseits wieder einmal frische Nahrung bekommen. Andererseits haben die Hoffnungen, dass „wir“ die Kurve noch rechtzeitig bekommen, weitere kleine Dämpfer bekommen, womit ich nicht gerechnet habe. Gleichzeitig ist die neue Welt in weiten Teilen doch für mich noch eine fremde, in die es mir schon altersbedingt schwer fällt, einzudringen, ohne erst einmal skeptisch beäugt zu werden. Aber gerade deshalb wäre ich sicherlich jemand, der etwas zur Überwindung des „mentalen“ Grabens beitragen könnte. Wenn ich denn gefragt würde. Ansonsten: Ich komme gerne wieder, nächstes Jahr!

 

 

 

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