Blogger, die Gesellschaft hört euch nicht!

ru publica 14

Bedingt durch die ein oder andere sportliche Großveranstaltung in Mainz am vergangenen Wochenende melde ich mich erst jetzt zu Wort. Umso erstaunter bin ich. Es mag daran liegen, dass ich als Alt-Blogger aus der Mitte der Gesellschaft ohne elitären Anspruch und Sprache einfach nicht genug Blogs kenne. Dann sei mir vorab verziehen. Gleichwohl verwundert es mich doch sehr, dass ich den mir momentan zugänglichen Blogs zu einer der wichtigsten Fragen der re:publica 14, die über den Tellerrand der Szene hinausgehen, allenfalls in einzelnen Randbemerkungen etwas finde. Meist geht es dann aber nur darum, wieder einmal rauszustellen, dass man den alten Mann mit der gewöhnungsbedürftigen Frisur nicht mag und ihm schon gar nicht traut. Schwamm, drüber. Interessiert mich nicht. Interessiert auch draußen niemanden. Dürft ihr mir glauben. In anderen Fällen scheint die Wahl der besuchten Sessions von Außen betrachtet trotz dreitägiger Teilnahme getreu der Leitlinie „ich mach die Welt, so wie sie mir gefällt“ erfolgt zu sein. Nix gegen Eltern- und Väterblogs, ab die Mitte der Gesellschaft ist so allein nicht zu erreichen. Jedenfalls nicht im ersten Schritt. Dürft ihr mir glauben. Wirklich.

Ich hätte hingegen mehr erwartet zur Frage: Wie erreichen wir mit unseren Themen endlich die Gesellschaft und wollen wir das eigentlich? Damit kein falscher Eindruck entsteht: Mich hat diese unglaubliche Themenvielfalt und die Leidenschaft, mit denen diese beackert wird, beeindruckt und fasziniert. Doch es bleibt bei mir als Beobachter am Wegesrand, der – verzeiht diese klare Sprache – dieser Karawane der Detail- und auch zuweilen Selbstverliebten mit staunenden Augen nachschaut, ein Gefühl der Ratlosigkeit zurück. Warum fordert keiner von Euch endlich mal eine wirkliche Öffnung nach Außen ein? Diese Gesellschaft kennt euch einfach nicht und kann euch deshalb nicht hören! Schlimmstenfalls werdet ihr mit der realpolitischen Praxistauglichkeit der Piraten in einen Topf geworfen und ich hatte nicht den Eindruck, dass ihr das durch die Bank alle wollt. Natürlich haben die „Grünen“ ähnlich angefangen. Doch die fanden rasch zumindest bei den jungen Menschen eine Basis. Eine Basis, die eurer Bewegung fehlt, weil ihr größtenteils eine andere Sprache sprecht und zuweilen mit seitenlangen Blogeinträgen eine Jugend ansprechen wollt (wollt ihr das?), die bekanntlich gerne auch als Generation Youtube beschrieben wird. Y-Titty hat sich dazu in einem Interview mit dem WDR überaus sachlich und treffend geäußert:

Y-Titty auf der re:publica

Ähnlich ließe sich wohl das Verhältnis zu den politischen Entscheidungsträgern des Landes über alle Ebenen beschreiben. Der berühmte „Gang durch die Institutionen“ ist überfällig, wenn ihr wirklich nachhaltig etwas bewegen wollt! Ich versichere euch: In jedem größeren Ortsverein einer politischen Partei in Deutschland findet ihr mindestens einen Vertreter, der für die Themen der Netzwelt nicht nur empfänglich ist, sondern möglicherweise geradezu darauf wartet, angesprochen zu werden. Um diese Menschen alle zu erreichen, müsst ihr natürlich die Scheuklappen ablegen und konsequent in allen demokratischen politischen Gewässern auch jenseits von SPD und Gründen fischen. Denn ihr wollt ja Mehrheiten für eine Sache gewinnen, oder? Ebenso wie das Netz in allen Bereichen der Gesellschaft angekommen ist, müssen diejenigen, die sich am besten damit auskennen, dies auch endlich tun. Die re:publica 14 war gemeinsam mit der media convention gemessen an der (optischen) Vielfalt der Besucher doch ein Beleg für diese These (die zahlreichen PR-Tussies, die sich unters Volk gemischt hatten, müsst ihr halt aushalten! Bis die Tage!

Hier das gesamte WDR-Interview mit LeFloid:

 

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