Herr Overstreet

Das Schweigen in der Menge

„Das Große ist nicht, dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein.“ Dieses Zitat von Sören Kierkegaard, einem hierzulande den meisten vermutlich nicht näher bekannten dänischen Philosophen, huschte gestern gerade durch meine Facebook-Timeline. Und er hat ja Recht, so sehr Recht. Entsprechend groß ist meine Hochachtung vor den Menschen, die dieses Große wirklich schaffen, nicht nur nach Außen gespielt, sondern mit der tiefsten inneren Überzeugung, noch dazu ohne den gewaltigen Anstoss eines Schicksalsschlags wie Krankheit, Unfall oder schlimmeres. Und so verbiete ich es mir auch, trotz aller Hochachtung vor solchen Beispielen wie etwa aktuell das des US-amerikanischen Läufers Bruce Van Horn (Leseempfehlung!), aus solchen Lebenswegen Kraft zu schöpfen. Denn im Ergebnis bedeutete dies doch, auf einen solchen negativen Einschnitt zu hoffen, um anschließend endlich man selbst zu sein?

Leider gehöre ich seit Jahren zu den Menschen, die regelmäßig scheitern an dieser großen Aufgabe. Wie einst Sisyphos rolle ich den mit dunklen Gedanken schwer beladenen Wagen regelmäßig den Berg der Zufriedenheit hoch, bis er wieder polternd zu Tal kracht und das Spiel von vorn beginnt. Nur auf den ersten Blick überraschend geschieht dies besonders in den Phasen, wenn sich um einen rum scheinbar die halbe Nation im (auf mich in dieser Breite oberflächlich wirkenden) grenzenlosen nationalen Jubel in den Armen liegt. Das mag am Wesen „leiser Menschen“ liegen, über das ich an anderer Stelle in diesem Blog bereits berichtet habe. Mir sind diese Zeiten selbst als Fußball-Fan von Kindesbeinen an, der die „Wasserschlacht von Frankfurt“ ebenso mit erlebt hat wie die „Schmach von Cordoba„, zunehmend suspekter. Zeiten, in denen auch nur die kleinste Abweichung von der vorgebenen Meinung von den Mitmenschen mit Missachtung bestraft wird. Zeiten, in denen die Masse scheinbar blind den Worten eines ihrer Helden folgt, selbst wenn er nur Belanglosigkeiten in das Mikrofon eines dankbar dreinschauenden Reporters hustet. Spätestens dann, wenn dir an solchen Tagen selbst auf einem ansonsten ja gerne überkritisch daherkommenden Medium wie Twitter die „Liebe“ in Form vom Sternen entzogen wird, ist klar: Du gehörst nicht dazu!

Dies Sache wird nicht einfacher, wenn du als „leiser Mensch“ ohnehin nicht per se ein Lieblingskind einer immer lauter werdenden Gesellschaft bist. Eine Gesellschaft, die deine Zurückhaltung und gelegentliche Sehnsucht nach Ruhe als Distanz oder gar Arroganz wertet, zumal dann, wenn du es im Leben zu etwas gebracht hast. Dann ist die nicht selten offen zur Schau getragene Abneigung der Mitmenschen ein nicht unerheblicher zusätzlicher Ballast, die deinen Wagen beschwert. Und wenn du dann noch, wie in meinem Fall, als Ausdauersportler große Teile deiner Freizeit auf der Tartanbahn oder der Straße als Sportler und Übungsleiter verbringst, statt regelmäßig das Auto zu waschen oder das Unkraut zu jäten, dann wird es eng für dich, in diesen unseren deutschen Landen. Gerade gestern hat mir dies ein Nachbar wieder deutlich zu verstehen gegeben, als ich leicht gehetzt auf dem Fahrrad mit einem Apfel im Mund zum nächsten Termin eilend ihn wohl nicht mit der gebotenen überschäumenden Freundlichkeit grüßte – de facto fuhr ich kurz nickend (mit dem Kopf schon bei der anstehenden Trainingseinheit mit den Kids) an ihm vorbei.

Bei diesen für sich genommen zu vernachlässigenden Kleinigkeiten muss ich dann mit mir ringen, dass das Frustkopfkino nicht wieder zu einer Vorstellung bittet, zumal der Alltagsstress und die fehlende körperliche Fitness ohnehin an einem nagt. Spätestens dann wird er wieder zu schwer, mein Wagen der Zufriedenheit mit sich selbst. Also, denkt dran, falls heute Abend beim Rudelgucken jemand in eurer Nähe nach dem Siegtreffer für die deutsche Mannschaft nicht vor Begeisterung gleich sein Shirt (nein, kein gerade noch eben gekauftes Trikot) in Stücke reißt, sondern nur in sich reingrinst: Es handelt sich vielleicht nur um einen etwas leiseren Zeitgenossen, keinen Vaterlands-Verräter…

P.S.: Für sachdienliche Hinweise zur wenigstens teilweisen Entladung meine Wagens bin ich natürlich dankbar. Vielleicht hilft auch jemand schieben?

 

 

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Warum mich kein Orthopäde mehr zu Gesicht bekommt

2010 European Athletics Championships – Women's 3000 metres steeplechase.}} |Source=http://www.flickr.com/photos/pemisera/4845907409/

Europameisterschaft 2010 – Finale 3000m Hindernis Quelle: Pemisera

Mehr als 6 Jahre ist es jetzt her, als das Läufer-Unheil seinen Anfang nahm. Ende Februar 2008 rannte ein Kind nicht nur einem Ball hinterher, sondern auch noch mit voller Wucht in mich hinein – nicht einmal 24 Stunden, nachdem ich mit den besten Trainingsresultaten meines Lebens aus dem Trainingslager in Spanien zurückgekommen war. Alle Zeichen stand auf Bestzeit, die sub 2:35 im Marathon schien nur noch Formsache. Schien. Der Schlag – Knie an Knie – traf mich überraschend, ich hatte den Jungen zwar kommen sehen, aber nicht damit gerechnet, dass er mich übersieht. Ein kurzer, sehr heftiger Schmerz, der die um mich herum stehenden zum lachen brachte: Wird doch nicht so schlimm gewesen sein! Doch, war es. Eine Woche passierte nichts, bis auf ein dumpfes Gefühl. Dann ging von einer Minute auf die nächste nichts mehr. Selbst die Treppen zum Arzt kam ich nur mit großer Mühe auf einem Bein springend hoch.

Diagnose: „Bone bruise“ (eine schwere Knochenprellung) des Knies. Alles halb so wild, sprach eine Woche später der behandelnde Orthopäde – selbst Sportler. Natürlich könne ich bald wieder laufen, das sei sogar wichtig. Gesagt getan. Es folgten mehrerer dieser Anläufe und Rückschläge, weitere Besuche beim Orthopäden. Das wird schon! Irgendwann wurde es dann auch, doch so richtig sauber lief ich viele Jahre nicht mehr und mit versauter Technik und kaum erkennbarer Schonhaltung kamen auch keine Ergebnisse. Richtige Schmerzen hatte ich aber nie mehr, allenfalls mal punktuell bei bestimmten übermotivierten Bewegungen. Allerdings schwoll das Knie nach längeren Läufen immer wieder an. Mehr aber nicht.

Im letzten Herbst bin ich dann wegen muskulärer Probleme an der Oberschenkelmuskulatur (vermutlich wegen der jahrelangen Schonhaltung) auf Umwegen auf den Stuhl eines anderen Orthopäden geraten. Jedenfalls für knappe 10 Minuten. So lange hat es gedauert, bis er auf Basis eines neues MRT-Bildes – und nur auf dieser Basis – entschied: „Das wars mit Sport, allenfalls ein wenig Radfahren, auch kein Krafttraining. Tut mir leid.“ Er könne mir allenfalls noch anbieten, meine O-Beine operativ zu begradigen, wenn ich den endlich zugäbe, dass ich Schmerzen habe. Denn die müsse ich haben, und wenn ich die nicht fühle, blende ich sie wohl aus. Hatte ich aber nicht, bis auf die an der Muskulatur. Gefiel dem guten Mann gar nicht und zwar so wenig, dass ich das Rezept für die Einlage, die seitdem in jedem Alltagsschuh deckt und tolle Arbeit leistet, erst nach mehrmaliger Nachfrage – man könnte es auch Betteln nennen – bekam. Dann war er weg, Rezept für Physiotherapie gabs natürlich nicht. Nicht für den Kassenpatienten, der einfach keine Beschwerden zugeben will.

Inzwischen weiß ich: Die Verletzung damals war mit hoher Wahrscheinlichkeit Auslöser für den Knorpelschaden, der genau an der Stelle sitzt, wo das Knie vor Jahren die Prellung hinterließ. Doch selbst davon wollte der Orthopäde nichts wissen. Das liegt an dem jahrelangen Gerenne. Basta. Bitte nicht falsch verstehen: Selbstverständlich ist mir klar, dass Leistungssport kein Gesundheitssport ist und das die einseitige Belastung erheblich dazu beigetragen hat, was aus der Ausgangsverletzung geworden ist. Nur war unsere Schulmedizin ja nicht ganz unbeteiligt an diesem Lauf der Dinge. Und ich sehe auch nicht ein, warum ein Sportler mit BMI 20, unter 10 Prozent Körperfett und halbwegs vernüftiger Lebensweise nicht genauso ein Recht auf vernünftige ärztliche Beratung haben sollte wie jeder Übergewichtige, der sich nur vom Sofa zum Auto bewegt und seine Arthrose genau deshalb entwickelt. Dass das einzige, was mir an Hilfe angeboten wurde, eine teure Begradigungsoperation (mit sehr unsicherer Prognose) noch vor Ausschöpfung anderer Maßnahmen wie Einlagen, Physiotherapie, Ernährung und Co. war, hinterließ bei mir einen mehr als faden Beigeschmack. Mein langjähriger Trainer Peter Greif fasste das alles wie von ihm gewohnt knapper zusammen: „Das ist doch ein Vollpfosten!“

Doch die Dinge lassen sich jetzt nicht mehr ändern. Zum Zeitpunkt des Arztbesuches hatte ich mir für den Fall der Fälle schon ein für mich drastisches Programm zusammengestellt, dass der Schulmediziner leider aber nicht mit mir besprechen wollte. Also suchte ich mir Rat in der Szene und bekam viele ermutigenden Reaktionen, für die ich noch heute sehr dankbar bin. Details spare ich mir an der Stelle, zusammengefasst sieht es für zunächst einmal ein Jahr so aus: Reduzierung des Trainingsumfangs auf weniger als die Hälfte, 5 statt 7 Lauftage, maximal einen mittellangen Lauf von 15-18km, ansonsten Mittelstreckentraining mit wenigen „sauberen“ intensiven Belastungen auf der Bahn und viel begleitendes Krafttraining, Stretching, Fußkraft etc. Experimentiert habe ich auch mit Barfußlaufen, mit dem viele ähnlich Geschädigte gute Erfahrungen gemacht haben. Der damit erzwungenen knieschonenden natürlichen Technik komme ich beim Mittelstreckentraining und den Sprints mit Spikes sehr nahe. Und tatsächlich hatte ich bei diesen Einheiten zu keinem Zeitpunkt bislang einmal irgendwelche Probleme. Bei längeren Läufen auf der Straße muss ich hingegen schon aufgrund der fortschreitenden Ermüdung irgendwann sehr konzentriert laufen, um „sauber“ zu bleiben. Mit dieser Strategie folge ich dem Ansatz von Dr. Fernando Dimeo, den er in einem Artikel auf der Seite von Herbert Steffny beschrieben hat – und zwar frühzeitig, bevor ich dort beschriebenen Probleme überhaupt habe. Parallel dazu versuche ich es ebenfalls für ein Jahr mit der Ernährungsstrategie von Wolfgang Feil, den ich aus gemeinsamen Trainingsurlauben auch persönlich kenne.

Aktuell nach etwas mehr als einem halben Jahr kann ich ein positives Zwischenfazit ziehen. Schmerzen habe ich immer noch nicht und der Laufstil verbessert sich immer weiter. Mangels Schmerzen steuere ich die Belastungen orientiert an Schwellungen, die ja in der Phase vor der Umstellung regelmäßig auftraten. Hier habe ich inzwischen praktisch keine Reaktionen mehr. Das Bein lässt sich zu jeder Tages- und Nachtzeit beugen, wenngleich noch immer nicht so weit wie das andere, was aber eher an der jahrelangen Schonhaltung zu liegen scheint. Aber daran arbeite ich permanent genauso wie an der Wiederherstellung der Beinstreckung. Natürlich gibt es keine Garantie, dass das alles so auf Jahre hin funktioniert. Aber eine Garantie gibt es: Dass es schneller schlechter würde, wenn ich dem einzigen Rat des Orthopäden folgen würde, nur noch auf dem Sofa liegen und mich selbst bedauern würde.Schließlich weiß inzwischen jeder, das angepasste Bewegung bei Arthrose sogar ein Muss ist. Nur scheint es zumindest bei meinem Orthopäden keine Einsicht zu geben, dass „angepasst“ bei einem Menschen mit 20 Jahren Marathontraining in den Beinen erst einmal anders aussehen muss als beim übergewichtigen Bewegungsmuffel. Deshalb sieht mich diese Gattung Mediziner sicher (freiwillig) nie wieder!

P.S.: Fast vergessen: Medikamente nehme ich selbstverständlich keine, wenn man einmal von Gewürzquark nach Wolfgang Feil absieht! 😉

 

 

 

Herr Overstreet auf der re:publica 2014

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Wow, das ging ja schnell vorbei. Herr Overstreet war auf der re:publica und es ist Zeit, ein kurzes Fazit zu ziehen. Mein naturgemäß äußerst subjektives und noch nicht mit Dritten diskutiertes Gesamturteil lässt sich schon aus der Überschrift dieses kleinen Artikels ablesen. Denn streng genommen gehörte ich zu den gemessen an der Resonanz in den Sälen scheinbar überschaubaren Zahl an Teilnehmern, die auch an der fast zeitgleich zur #rp14 laufenden media convention teilnehmen konnten. Und ganz streng genommen war letztgenannte ja „meine“ Veranstaltung, schließlich mache ich ja „irgendwas mit bewegten Bildern“, die primär linear konsumierbar sind. Also dieses Fernsehen. Im Ergebnis hatte ich dann aber eigentlich zu keinem Zeitpunkt wirklich das Gefühl, bei dieser Veranstaltung angekommen zu sein. Irgendwo bei Twitter fand ich dazu den passenden Kommentar: „Bei der #rp14 duzt man, hier oben siezt man“. In der gelebten Praxis ging es dann aber durchaus nicht so geordnet zu, weil man sich auf den Podien „oben“ teilweise aufs „Du“ geeinigt hatte, „unten“ aber auffallend oft gesiezt wurde, was dem ein oder anderen geübten Teilnehmer der re:publica dann übel aufgestoßen sein muss.

Möglicherweise hatte ich einfach nur Pech mit der Wahl meiner Programmpunkte bei den Medienmenschen. Möglicherweise trugen die trotz den mit bekannten Namen besetzten Podien nur selten ganz gefüllten Ränge auf der einen und überfüllte Hallen auf der anderen Seite auch unbewusst zum Urteil bei. Was ich jedoch sicher ausschließen kann ist der Verdacht, dass mein Urteil durch die feierliche Eröffnung, die Party am Dienstagabend oder die Abschlussfeier beeinflusst sein könnte. Denn terminbedingt konnte ich nur einige Stunden am Dienstagnachmittag und den kompletten Mittwoch teilnehmen. In dieser knappen Zeit galt es dann so viel wie möglich von beiden Veranstaltungen mitzunehmen (was schon allein bei der re:publica angesichts der Themenvielfalt ein große Aufgabe ist) und eben auch zu verzichten auf das drumherum und zwischendurch. Leider blieb so auch keine Zeit, wenigstens eine wenige digitale Kontakte in analoge Gespräche zu überführen, was ich im Nachhinein sehr bedaure.  Doch jetzt genug der Vorrede. Angesehen und gehört habe ich mir:

Aggregation: Plattformen (Prof. Goldhammer, Timm Richter/Xing, Manuel Uhlitzsch/MyVideo, Stefan Zilch/Spotify)

Looking for Freedom (Mikko Hypponen, David Hasselhoff)

Rede zur Lage der Nation (Sascha Lobo)

Bildung verfangen im Netz? (Max Woodtli)

Großbaustelle Qualitätsfernsehen (Dr. Brosda/Stadt Hamburg, Thomas Frickel/AG DOK, Prof. Rotermund/Uni Leuphana, Patrica Schlesinger/NDR)

Lohnt sich Onlinejournalismus überhaupt noch? (Sascha Pallenberg, Richard Gutjahr, Claudia Heydolph, Philip Banse)

Du verstehst mein Fernsehen nicht (Alexander Braun/LeFloidArmy, Heike/Schülerin, LeFloid, Christoph Krachten/MediaKraft, Yvonne Olberding/EinsPlus)

Hätte, Hätte, Verwertungskette (Torsten Frehse/Neue Visionen Fimverleih, Jabob Lass/ Regisseur, Andrea Stosiek/Sputnik Kino, Andreas Wildfang (Realeyz.tv)

Youtube and the new News (Johnny Haeusler, Le Floid)

Was mir dabei neben der Location und der angenehmen Stimmung besonders gut gefiel:

  • die Substanz und Authentiziät der Beiträge und Diskussionsteilnehmer auf der re:publica
  • die Selbstverständlichkeit, Unaufgeregtheit und Offenheit, die z.B. ein LeFloid an den Tag legte
  • die vielen Ideen und Ansätze, guten Journalismus irgendwie doch am Leben zu erhalten
  • die zahlreichen Anregungen und Informationen, die ich für die eigene Arbeit in der „alten Welt“ mitgenommen habe
  • der Herr Lobo mit seiner Wutrede
  • schließlich, wie es die Online-Ausgabe  der Zeit so passend formulierte, an einer Veranstaltung von „normalen Menschen für normale Menschen“ teilzunehmen

Weniger gut kam bei mir hingegen an bzw. gab mir zu denken:

  • der unübersehbare Graben zwischen „alter“ und „neuer“ Medienwelt, losgelöst von Kleidung, Sprache und Umgang
  • diese offenbar nicht auszurottende latente Spur der Überheblichkeit einiger Vertreter des klassischen Fernsehens nach dem Motto: „Ihr versteht das nicht, ich erkläre es euch
  • der gleichzeitige Versuch, mit einer Art Umarmung der neuen Stars der Szene die eigenen Probleme bei der Erreichung junger Menschen in den Griff bekommen zu wollen, ohne sich selbst bewegen zu müssen und das Beharren auf der Position, dass der Spagat zwischen Qualität und Quote so gut gelinge wie je zuvor
  • die nicht wenigen Podiumsteilnehmer, die es aus welchen Gründen auch immer nicht schafften, tatsächlich etwas zum Thema beizutragen
  • die teilweise anstrengenden Bedingungen bei den Sessions der re:publica und die Tatsache, dass ich die ein oder andere Veranstaltung wegen Überfüllung nicht besuchen konnte

Entlassen wurde ich am späten Mittwochabend dann mit dem Gefühl, persönlich irgendwie noch mehr zwischen den beiden Medienwelten zu stehen als zuvor. Denn meine zum Teil kritischen und skeptischen Ansichten zu bestimmten Strömungen der alten TV-Welt, in der ich mich täglich bewege, habe einerseits wieder einmal frische Nahrung bekommen. Andererseits haben die Hoffnungen, dass „wir“ die Kurve noch rechtzeitig bekommen, weitere kleine Dämpfer bekommen, womit ich nicht gerechnet habe. Gleichzeitig ist die neue Welt in weiten Teilen doch für mich noch eine fremde, in die es mir schon altersbedingt schwer fällt, einzudringen, ohne erst einmal skeptisch beäugt zu werden. Aber gerade deshalb wäre ich sicherlich jemand, der etwas zur Überwindung des „mentalen“ Grabens beitragen könnte. Wenn ich denn gefragt würde. Ansonsten: Ich komme gerne wieder, nächstes Jahr!

 

 

 

Das wird wohl nix mit Twitter

Viele Dinge im Leben schätzt man ja nicht selten immer nur dann, wenn man sie gerade einmal vermisst. Während der 6 Tage Trainingslager in der fränkischen Idylle hatte ich jetzt wieder einmal Gelegenheit, dies zu testen, so praktisch ohne Internet, Pay-TV und Co.  Tatsächlich fehlte mir vor Ort wirklich viel, dazu war die Zeit auch zu knapp und das Sportlerleben zu abwechslungsreich. Doch wenn ich eines gar nicht vermisst habe, ist das Twitter. Tatsächlich werde ich trotz vieler schöner Momente auch nach ausreichender Zeit der Gewöhnung nicht so richtig „warm“ mit diesem Dienst.  Denn am Ende überwiegen zumindest bei mir fast immer die negativen Momente.

Obwohl ich inzwischen akzeptiert habe, dass Twitter ein Ort ist, an dem die Selbstdarstellung mit allen Mitteln ein allgemein anerkanntes Stilmittel zu sein scheint, bleibt bei mir die Frage nach dem „warum?“ doch stets im Hinterkopf, lässt sich nicht löschen. Auch diese über fast allen Momenten schwebende dunkle Wolke der bedingungslosen Oberflächlichkeit, die jeden auch nur halbwegs sensiblen Menschen eigentlich doch irgendwann abstoßen muss?! Und sei es auch nur für einen Moment. Oder die allerdings über die Grenzen von Twitter hinaus in der Netzwelt ja überall anzutreffende, wenngleich auf mich noch immer befremdlich wirkende Neigung, die eigene Aussage selbst noch dann mit Vehemenz ohne auch nur die geringste Einschränkung zu verteidigen, wenn die vorgebrachten Argumente längst sachlich entzaubert wurden. Oder – der umgekehrte Fall – die latente Gefahr, für einen eigenen möglicherweise nicht ganz eindeutigen oder flapsigen Tweet von manchen Zeitgenossen mit Ausdauer virtuell abgewatscht zu werden, selbst wenn man sich rasch entschuldigt bzw. die Dinge ins rechte Licht gerückt hat. Sorry, aber auf mich wirkt das alles so, als habe man die früher übliche Prügelei der ansässigen Jungsbullen in der Dorfdisco am späten Samstagabend ins Netz verlagert….

Es liegt also wohl eher an mir als an Twitter, dass es wohl nicht auf Dauer gut gehen wird mit uns. Denn ich gehöre leider nun mal auch zu den Menschen, die den „Dschungel“ über das geschäftliche Interesse des hinter der Sendung stehenden Konzerns hinaus nicht ernst nehmen können, selbst wenn mir noch so viele scheinbar „kluge Köpfe“ mir den übergeordneten Wert dieses Machwerks erklären wollen. Und ich finde die Witze von Mario B. aus B. wohl selbst dann noch nicht lustig, wenn er das Olympiastadion gleich 10 Mal in Folge mit begeisterten Fans füllt. Ich bin also nicht massentauglich und will es irgendwie noch immer nicht akzeptieren, dass viele andere so glücklich und zufrieden sind. Das ist einer meiner Fehler und sicher nicht mein einziger. Aber dazu stehe ich. Und da bin ich jetzt mal „verbohrt“! 😉 Beim Fernsehen kann man umschalten, bei Twitter wohl nur: Abschalten?

Nominiert

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Wow, in diesem Internet gibt es tatsächlich noch Ecken, in denen so etwas wie sozialer Umgang gelebt wird. Ich prangere das an. Nicht! 😉 Deshalb habe ich mir auch die Zeit genommen, um diesen kleinen Award nicht nur mit Erstaunen und Freude von der Julia anzunehmen, sondern gleich auch weiterzureichen. Aber hier die Regeln:

1. Schreibe einen Post mit diesem Award, füge das Award-Bild ein und verlinke die Person die dir diesen Award verliehen hat.
2. Beantworte die 11 Fragen.
3. Denke dir weitere 11 Fragen aus.
4. Tagge (also nominiere) 10 Blogger die unter 200 Leser haben (naja manche schreiben unter 1000 Leser deshalb ist es euch überlassen wen ihr nominiert)
5. Sage den Bloggern die du nomieniert hast, dass sie einen Award bekommen haben und somit getaggt wurden.

1 wieso meinst du, lesen leute deinen blog?

Schwer zu sagen, da ihn ja momentan nur eine Hand voll Menschen lesen. Vielleicht findet es der ein oder andere ganz lustig, was ich so schreibe. Möglicherweise schauen sie auch nur mal rein, weil sie mich und meinen persönlichen Hintergrund interessant finden.

2 wieviel zeit in deinem life-work-balance-leben widmest du dem blog?

Eindeutig: Viel zu wenig!!! Und ich ärgere mich selbst ständig drüber, kann es aber aktuell nur wenig beeinflussen, da ich „draußen im Leben“ quasi permanent rotiere.

3 welche blogs liest du am liebsten und warum?

Da jetzt einen zu nennen, wäre nicht fair, weil ich schlichtweg momentan viel zu wenig Zeit zur Verfügung habe, „richtig“ zu lesen (siehe Punkt 2)

4 wir leben in einer welt, in der zeit offensichtlich mangelware ist. wofür hast du zuwenig zeit? willst du dies ändern und dir mehr zeit nehmen?

Neben dem Blog habe ich einfach viel zu wenig Zeit, auch einmal einfach nichts zu tun oder in Ruhe etwas richtig anzugehen. Ich arbeite ständig dran, seit der Phase, in der ich wegen meiner Depression in Behandlung war, sogar ernsthaft.

5 wann warst du das letze mal, ganz bewusst im HIER und JETZT? wie fühlte es sich an?freue mich über detaillierte beschreibungen 🙂

Am vergangenen Dienstag. Auf der Laufbahn, beim Tempotraining. Die letzten 300m-Sprints haben mich jede Faser meines Körpers spüren lassen. Es tat weh und war doch schön. Körperlich halt. Ihr kennt das ja, denke ich?

6 die ströme an schreckensmeldungen reißen in letzter zeit ja nicht ab: kriege, umweltkatastrophen, das ende der wohlstandsgesellschaft und andere untergangsszenarien machen immer wieder mal die runde. wie gut bist du auf die apokalypse vorbereitet? 😀

 Habe immer genügend Rotwein zu Hause.

7 was würde dir am meisten fehlen? worauf könntest du locker verzichten?

Fehlen würde mir natürlich die Bewegung, der Sport, verzichten könnte ich auf den ein oder anderen Arbeitskollegen und dieses unsachliche „Freund oder Feind“-Gekloppe.

8 die diy-kultur hat in letzen jahrzehnten enorm zugenommen. hast du in deinem leben schon mal etwas up-cycelt? was war es vorher und was danach?

 Ähm… nein. Ist vielleicht auch besser so bei meinen „linken Händen“.

9 welches buch hast du mehr als einmal gelesen und warum?

Unterm Rad von Hesse, weil ich als gelegentlich wegen meiner „einfachen“ Herkunft in der Schule gemobbtes Kind den Lebensweg diesen jungen Menschen als faszinierend und bedrückend zugleich empfand.

10 jahwe, allah, brahman, gaia oder das spaghetti-monster. woran glaubst du?

Jetzt werden viele die Stirn runzeln. Ich bin tatsächlich Christ und glaube noch an diesen Gott. Ansonsten glaube ich als vom Schicksal zum Einzelkämpfer verurteilten Menschen natürlich immer auch ein wenig an mich. Zumindest jenseits der dunklen Zeiten.

Ich nominiere (den ein oder anderen dürfte es damit erneut erwischen.. ;-))):

http://danares.wordpress.com/

http://www.junaimnetz.de/

http://einjournalistenblog.wordpress.com/

http://gingerbreadandnightingale.wordpress.com/

http://schwarzaufschwarz.wordpress.com/

http://wordpress.martiningenhoven.de/

http://nichtnochsoeinlifestyleblog.wordpress.com/

http://dunkelangst.org/

http://kommunikationskiste.de/

http://zeilentiger.wordpress.com/

Meine Fragen an Euch:

  1. Gefällt Euch irgendeinder meiner Beiträge wirklich?
  2. Oktoberfest: Ja oder Nein?
  3. Schaut Ihr noch fern und wenn ja, wie und was?
  4. Helene Fischer oder Andrea Berg? 😉
  5. Welchen Sport macht ihr (also richtigen Sport, so wie früher?)
  6. Kennt Ihr einige Eurer Blog-Leser persönlich?
  7. Twittert Ihr und wenn ja, warum?
  8. Geht Ihr zu Wahlen?
  9. Was haltet Ihr von Menschen, die trotz aller Skandale immer noch ehrenamtlich in der Kirche arbeiten?
  10. Glaubt Ihr, dass die Generation Ü40 hier im Netz eigentlich gar nichts verloren hat?
  11. Über was soll ich mal schreiben? 😉

 

Herr Overstreet wird wieder Stoiker

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Tach auch. Mir reicht es jetzt. Ich rege mich jetzt zum allerletzten Mal auf. Bringt ja nichts. Macht nur krank. Mich. Raubt einem die Freude. Ganz langsam, schleichend. Ändern kann ich es ja eh nicht. Der Sisyphos soll ja was verbrochen haben. Zur Strafe musste er den blöden Felsbrocken wieder und wieder den Berg rauf rollen. Wisst ihr ja. Zumindest die älteren unter euch. Die in der Schule von der Philosophie gestreift werden durften. Geht ja heute nicht mehr. Wegen dem Lehrplan und weil die „junge Generation“ ja schnell durch die Schule muss, um in irgendeinem Bachelor-Kurs (da läuft sogar eine Sendung zu im Fernsehen, hat ganz ordentliche Quoten) dann für die Industrie endgefertigt zu werden. Über den Sinn des Lebens nachdenken ist da nicht mehr so wichtig. Brauchst du nicht. Englisch ist wichtig. Und chinesisch, weil der Bachelor mit denen Gechäfte machen soll. Englisch, weil man sonst nicht einmal den Titel des eigenen Studiengangs übersetzen kann. Denn die coolen Bachelor-Studiengänge haben ja durch die Bank englische Bezeichnungen. Klingt halt viel besser. Wer will schon noch Volkswirtschaft studieren? Schon wenn du das Wort in den Mund nimmst, bist du bei den jungen dynamischen Menschen unten durch. Vorbei. Aus. Da kannst du noch so viel auf dem Kasten haben. Nichts geht mehr!

Rege ich mich auf? Nein, nicht mehr! Wie kam ich auf den Sisyphos? Ach so ja, weil ich zumindest nichts größeres verbrochen habe. O.k., bin Fan von Mainz 05, mag weder den FC Bayern noch das Oktoberfest (schon gar nicht das Mainzer), grille nur sehr unregelmäßig und mein Auto sieht aus wie Sau. Da hat man heutzutage schon eine kleine Strafe verdient, oder? Wenn ich euch jetzt noch sagen würde, für welche Partei ich bei der Kommunalwahl in unserem Dorf auf der Kandidatenliste stehe.. Oh nein, lieber nicht. Dann muss ich sicher noch Jahre den Felsbrocken den Berg rauf rollen. Wenn es nach euch ginge.

Aber zurück zum Thema und zur Gelassenheit. Denn „Gelassenheit ist die höchste Tugend des Weisen.“ Ist von Herrn Seneca, der war Stoiker. Hat mich schon in der Schule fasziniert, im Latein-Unterricht. Interpretation war meine große Leidenschaft. Hätte fast zum Studium der Philosophie geführt. Fast. Wurde dann Volkswirtschaft. Ist ja so ähnlich. Jedenfalls im Vergleich zur Betriebswirtschaft, aber das würde jetzt noch weiter vom Thema wegführen. Bis weit ins Studium rein wäre ich dann auch als Stoiker durchgegangen. Nichts konnte mich umwerfen. Bis es irgendwann kippte. Den Rest der Geschichte habe ich ja schon vor einiger Zeit erwähnt. Es dient also auch der eigenen Gesunderhaltung, wenn ich mich nicht mehr aufrege. Weder über dauergrillende Mitmenschen bzw. die dahinter stehende Lebenseinstellung, noch über die Dauerbesserwisser aus dem Netz. Also nicht diejenigen, die wirklich was zu sagen haben und dazu stehen. Damit kann ich umgehen. Jeder Jeck ist ja anders. Eher diejenigen, die gar nicht schnell genug ihr Fähnchen in den wechselnden Wind stellen können.

Nehmen wir #wettendass. Monatelang immer nur: Der Lanz ist doof, das Sendekonzept gehört in die Mottenkiste, genauso wie der böse Sender dahinter, der für so etwas auch noch „unsere“ 17,98 € im Monat (eigentlich sind es nur 4,37 € und davon wieder nur ein winziger Bruchteil, aber das würde jetzt zu weit führen) aus dem Fenster wirft. Und kaum ist das Ding endlich mausetot, aber noch nicht einmal zu Grabe getragen, geht es wieder los: „Wie kann man so was einfach einstellen, bei der Quote und den vielen Zuschauern, die für so etwas schließlich ihren Beitrag zahlen? Der Sender gehört in die Mottenkiste….“. Sagt mal, gehts noch? Jetzt freut euch doch mal! Nicht? Ok, kann man nix machen. Und ich rege mich auch nicht mehr auf. Auch nicht über die kluge und ausgewogene Lokalpresse (wo auch immer!), wenn sie in Wahlzeiten mal wieder kämpft. Auch nicht über die Sportjournalisten (wo auch immer!), denen ganze Generationen nicht ballspielender junger Sportler trotz toller Leistungen leider maximal nur eine Randnotiz wert sind, weil auf der Seite neben den Berichten über die Rumpelfußballer der Kreisliga C leider nicht mehr genug Platz ist. Nein, ich rege mich nicht mehr und außerdem verstehe ich das ohnehin vermutlich alles falsch. Bin ja nur Volkswirt, ohne Bachelor. Vielleicht sollte ich mir die Sendung mal anschauen. Läuft sicher bei den Privaten, schon wegen dem hohen Niveau, oder? Bis die Tage!

Twitter-Frauen mit Beigeschmack

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Tach auch! Wenn ich an schönen Tagen in der Mittagspause draußen auf meiner Stammbank sitze, kann ich sie sehen. Dann flaniert er an mir vorbei, manchmal noch etwas ungelenk, doch umso selbstbewusster und meist schon etwas provokant: Unser wunderbar hübsch anzuschauender weiblicher Mediennachwuchs. Groß gewachsen, lange Haare, perfekt gestylt, die hübsche Nase fast schon zu hoch in den Himmel gereckt. Dieser Typ junger Frauen, meist nicht nur attraktiv, sondern auch noch mit guten Abschlüssen in der Tasche, die Männer wie mich gleich doppelt schwach werden lassen. Einmal aus sofort nachvollziehbaren, eher hormonell bedingten Gründen. Und einmal aus dem latenten unguten Gefühl heraus, dass eine von diesen Frauen – unsere Heidi der Nation würde zu den meisten noch „Mädchen“ sagen – bei nächster Gelegenheit kalt lächelnd an dir vorbeizieht. Sei es bei der irgendwann vielleicht doch wieder mal frei werdenden interessanten Stelle, sei es als neue Kollegin, vom Stock drüber, die vielleicht dann deine Aufträge bearbeitet. Nicht dass ihr das falsch versteht: Ich freue mich sehr, dass es diese jungen Menschen hier im Haus gibt und das nicht aus den eingangs genannten Beweggründen. Und ich sehe es auch als gerechte Strafe, wenn zumindest in einigen Bereichen der Arbeitswelt dieser Typ Karrierefrau immer öfter den männlichen Mitbewerbern die hohen Hacken zeigt, selbst wenn die besser qualifiziert sind. War ja schließlich lange genug genau anders herum und ist sicher heute auch manchmal noch so, oder?  Doch wenn es einen dann selbst bei der beruflichen Fortentwicklung trifft oder man ab und an diesen Damen dann auch noch „zuarbeiten“ darf, ohne dass deine Leistung dann anschließend in irgendeiner Form noch erkennbar ist, freut man sich weniger. Auch verständlich, oder?

Doch Schwamm drüber, es ist so wie es ist, und warum sollten Frauen sich zu Karriere-Zwecken nicht so aufstellen, wenn sie damit am gerne zitierten Ende des Tages weiterkommen? Grenzwertig finde ich es persönlich nur, wenn diese ingesamt zumindest gefühlt doch stetig größer werdende Dominanz der äußeren Reize gegenüber den inneren Werten nach und nach in jede Ecke des Lebens kriecht. Gerade in der Pöbel-Arena Twitter springen sie dir bei jeder Gelegenheit ins Auge. Also nicht die niedlichen Duckface-Mädels, die einfach nur das tun, was sie immer tun. Nein, ich meine eher den – ich zitiere – „entweder gute Tweets oder blank ziehen“-Typ, der dann in der Regel eben allein durch die zweite Option besticht und ansonsten eher durchschnittliches bis hin zum Dünnpfiff von sich gibt. Doch – ehe jetzt die Empörung losbricht – auch das lässt mich noch vollkommen kalt, denn „jeder Jeck ist halt anders“ und wir sind ja ein freies Land und so. Was dann aber meinen ohnehin schon leicht vorgeschädigten Kopf regelmäßig auf die Tischplatte knallen lässt, sind die (nicht nur männlichen) Zeitgenossen, die diesen Unfug 2.0 dann auch noch manchnmal fast unterwürfig besternen, retweeten und mit seltsamen Pokalen bewerfen.

Beispiele (natürlich frei erfunden) gefällig? Gerne: „War einkaufen, Nutella und ein Kilo Mett“ – Bäm, 10 Sterne, 5 Retweets innerhalb von 2 Minuten. „Rühre gerade eine Fertigsuppe an, Schatzi kommt gleich, #Hach“ – Bäm, 20 Sterne, 12 Retweets und irgendein Pokal. „Mich juckt es gerade, ihr wisst schon wo…“ – Bäm, 30 Sterne, 15 Retweets und mindestens 15 sabbernde Herren, die handgreiflich werden wollen. „Färbe jetzt mein Haar dunhelblond, hellblond ist nicht mehr meins“…. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Leute, das ist vielleicht manchmal ganz lustig aber am Ende doch: Kackscheiße! Und – es folgt die letzte Antwort auf ein mögliches „ja, aber“ von eurer Seite – auch das ist, ich zitiere erneut, wohl tatsächlich „normal, weil es alle machen“. Aber bitte tut mir einen Gefallen: Dann lest und besternt parallel auch die Tweets, über die ernstzunehmende Menschen möglicherweise länger als 10 Sekunden gebrütet haben und stellt unter Beweis, dass ihr mehr seid als die Generation Selfie, die ihr soziales Gewissen mit einem „Gefällt mir“ unter irgendeine gut klingende Online-Petition beruhigt und sich ansonsten die Haare macht und dann „feieren“ oder „shoppen“ geht. Denn eine Plattform wie Twitter ist eigentlich eine große Chance für jeden, der sich darauf bewegt. Deshalb habt Spaß, aber fördert doch nicht jeden Unfug, sonst flüchten diejenigen, die vielleicht einmal mehr um die Ecke denken, nämlich endgültig aus dieser Welt heraus und dann bleibt neben vielen schönen Bildern nämlich nur die Kackscheiße übrig. Und das wollt ihr doch auch nicht, oder? Wenn wir uns darauf einigen, kann ich mit euch leben. Und das nicht nur, weil ich gerne auf der Parkbank sitze und euch beim flanieren zuschaue… 😉 Bis die Tage!

P.S.: Solltet ihr den Text total daneben und aus der Luft gegriffen finden, stellt euch einfach vor, ich hätte lange Haare und stünde auf der Liste für den nächsten Bachelor, oder wie auch immer dieser Puff im Fernsehen sich nennt… 😉

Herr Overstreet ist „glücklich“

20140310_181238bIch bin glücklich, oder besser gesagt, zufrieden. Das Wort glücklich geht unsereins ja nicht so leicht über die Lippen. Denn es bezeichnet bekanntlich in der Regel eine gefühlte Momentaufnahme. Dauerhaft glücklich ist ja ohnehin nur etwas für Fortgeschrittene, nicht für Anfänger. Aber auch mit dem Moment tun wir uns schwer, wir eher nachdenklichen Zeitgenossen. Denn für uns überwiegt ja eher die Befürchtung, dass es plötzlich wieder vorbeigeht mit dem Glück. Und dafür reichen – wieder ein Unterschied zu den Dickhäutern und Extros dieser Welt – nun einmal manchmal winzige Kleinigkeiten. Und dann fallen sie wieder, die Dominosteine. Hatte ich ja schon beschrieben. In meinem Fall können das bösartige Zeitgenossen am Arbeitsplatz ebenso leicht sein wie ein verlorenes Heimspiel am Europakreisel. Ganz bitter kommt es, wenn es im zwischenmenschlichen Bereich knistert. Ihr kennt das vielleicht, wenn ihr unheimlich viel investiert und ein anderer bekommt das gar nicht mit oder wischt es einfach so vom Tisch wie ein vertrocknetes Krümelchen vom letzten Frühstück. Selbst dran Schuld? Sicher, aber so sind wir eben. Ist mir kürzlich bei Twitter so ergangen. Da verschwand ein Foto, das mir etwas bedeutete und das irgendwie auch für ein scheinbar gewachsenes Vertrauensverhältnis stand, vom Server. Bäm! Kommentarlos gelöscht und weg in den Mülleimer. Kleinigkeit? Sicher, für die meisten Menschen schon. Nicht für unsereins. Wir sehen da mehr als das gelöschte Foto. Inzwischen habe ich das im Griff, das Twitter-Glas ist inzwischen immer halb voll statt halb leer. Ich nehme mir einfach die Freiheit, Spaß zu haben und manchmal sogar so oberflächlich zu handeln wie es dieses Medium verdient. Und immer häufiger treffe ich dabei auf Menschen, die gar nicht so weit weg sind von meiner Gedankenwelt. Vielleicht nicht ganz so kompliziert, aber doch auf vergleichbarer Wellenlänge. Und das macht mich dann zufrieden. Oder eben. Ihr wisst schon, das andere Wort. Mit dieser Strategie komme ich sogar im realen Leben momentan sehr gut hin. Auch dort bin ich immer häufiger „glücklich“. Oder besser gesagt: Die Tiefs zwischen den Hochs werden immer immer instabiler und bringen immer weniger Regen. Und manchmal bin ich sogar „glücklich“, ohne darüber nachzudenken. In diesem Sinne, seit glücklich! Ihr wisst ja eh schon, wie das geht, oder?

Herr Overstreet und die Fastnacht

20140303_163223[1]Aschermittwoch und alles ist vorbei. Alles noch nicht alles, nur das närrische Treiben. „Dann sei doch froh“, werdet ihr denken. Aber so einfach ist das nicht. Denn wie so oft in den letzten Jahren, wenn ich nicht gerade zeitgleich im Trainingslager und somit weit weg war, waren die Tage eine kleine emotionale Achterbahnfahrt. Auf der einen Seite die Abneigung gegen das aggressive Laute, den Alkoholmissbrauch und das an die Steinzeit erinnernde Balzverhalten besonders der jungen männlichen Zeitgenossen. Ja manchmal auch die Distanz zum offen zur Schau gestellten Frohsinn vermeintlich „einfacher“ Menschen, begründet durch die eigene Unfähigkeit, so aus sich raus zu gehen. Möglicherweise damit verbunden auch ein klein wenig Neid auf diese Menschen? Sicherlich, wenn ich lange genug nachdenke. Auf der anderen Seite aber die Liebe zur Heimatstadt, den Ritualen, den geschliffenen Vorträgen und den Liedern, die ans Herz gehen. Doch das ein lässt sich kaum vom anderen trennen und so klappte es dann weder mit der Zurückhaltung noch mit der wirklich aktiven Beteiligung. Fürs nächste Jahr braucht es also eine Strategie. Vielleicht braucht es einfach nur eine Maske, so wie diese virtuelle, um unbeschadet und zufrieden durch die Tage zu kommen?

Zum viel Lärm um nichts

Seit etwas über eine Stunde gibt es zumindest in der Mainzer Innenstadt kein Entrinnen mehr. Die Straßenfastnacht läuft. Laute Musik, viel Geschrei, angedeuteter und in Einzelfällen auch vollzogener Geschlechtsverkehr und vor allem: Alkohol in allen Varianten und für fast alle Altersklassen. Insbesondere die jungen Leute, die der traditionellen Fastnacht bereits vor Jahren den Rücken gekehrt haben, sind ganz vor dabei und glühen gerne schon zu Hause vor, um in der „richtigen Stimmung“ zu sein. Nicht dass ich falsch verstanden werde: Ich gönne jedem Einzelnen seinen Spaß und blicke auch keinesfalls neidisch auf das „Narrenvolk“. Aber bitte: Akzeptiert doch auch ohne Stirnrunzeln, dass ich andere Prioritäten habe, wäre das möglich? Ich mag die Fastnacht eigentlich sehr. Also die traditionelle Mainzer Fastnacht mit geschliffenen Vorträgen und dem ein oder anderen lustigen oder auch besinnlichen Lied. Ich mochte den Herbert Bonewitz, vielleicht auch gerade deshalb, weil der auch den Vertretern der Narrenzunft respektlos und mutig den Spiegel vorhielt. Vielleicht auch, weil der wirklich lustig war, auch ohne Vorglühen. Allerdings stand ich auch nie in der ersten Reihe bei diesem Volksfest. Nicht einmal als Kind. Als „leiser Mensch“ tut man sich damit schwerer. Dabei ist es nicht einmal der Lärm an sich, der mir unangenehm ist. So habe ich in meinen wilden Studentenzeiten gerne und mit wirklicher Lust die Nächte durchgetanzt möglichst mittendrin im Geschehen. Nur wenn es um mitgrölen ging, war ich dann doch eher leise. Ist auch alles kein Problem, uns Leisen macht das gar nichts aus. Wir sehen anderen auch gerne beim schreien zu. Uns ist das einfach nur manchmal zu viel Lärm. Oder vielleicht auch zu viel Lärm um nichts.