Krautreporter

Krautreporter und die deutschen „Tugenden“

Mir ist es peinlich, aber ich kann es nicht mehr ändern. Wenn es noch eines letzten Beweises bedurft hätte, dass ich trotz Studium, Promotion und durchaus vorzeigbarer beruflicher wie sozialer Aktivitäten doch immer ein schlicht denkender Mensch bleiben werde, dann liegt er jetzt auf dem Tisch: Ich bin dabei, schon am ersten Tag habe ich meine 60€ bereitgestellt für das Projekt Krautreporter. Spontan, einfach so, aus dem Bauch heraus. Weil ich es einfach (natürlich „einfach“!) gut finde, wenn Menschen mal was riskieren. In einer Sache, in der eigentlich Einigkeit besteht. Über die nun seit Jahren auf vielen wichtigen Podien gestritten wird. Und ich habe mir dabei keine Gedanken gemacht, ob ausreichend Frauen vom Start weg dabei bin (obwohl ich persönlich gerne mehr sehen würde), schon gar nicht kann ich mich wie Herr Matzat an dem „lieblosen und schlichten Design“ stoßen. Letzteres lässt sich aber wohl auch dadurch leicht erklären, dass ich eher an Inhalten interessiert bin als an der Verpackung. Auch die „Kollegenschelte“, die etwa Herr Bouhs ausmacht, konnte ich bislang auf der Internetseite so nicht finden, auch wenn man sicher immer über Formulierungen streiten kann. Aber der Kollege schießt ja offensichtlich ohnehin gern mal mit großem Kaliber auf kleine blaue Twitter-Vögelchen. Ich gehöre jedenfalls sicherlich nicht der „Szene“ an, daran werde ich jedenfalls des öfteren erinnert, wenn ich ihr begegne – was nicht selten der Fall ist… ;-). Diese zufällig entstandene, weil mir ins Auge gefallene und somit rein subjektive Reihe ließe sich fortsetzen, doch dies würde die Diskussion nur erneut befeuern und genau dies ist zumindest jetzt nicht geboten. So sind wir halt, wir Deutschen. Wir legen uns nun mal gerne im Sessel zurück und sezieren genüsslich, was andere gerade auf die Beine zu stellen versuchen. Alexander Mazzara von Joiz hat dazu auf der re:publica wie ich finde recht emotionslos und gerade deshalb treffend Stellung bezogen:

Dass die eher sachlichen Kommentare von etablierten Medien wie der „FAZ“ oder „Die Zeit“ kommen, verwundert mich ebenso wenig wie die Tatsache, dass es bei Twitter besonders hoch her geht. Dazu habe ich mich ja an anderer Stelle bereits geäußert. Ich habe auch gar nichts gegen sachliche Kritik. Doch zumindest diejenigen, die – wie in oder zumindest zwischen den Zeilen ständig zu lesen war – „das Projekt grundsätzlich gut finden“, könnten ja dann gerade bei Twitter ihre Schlagworte vielleicht so wählen, dass dies auch für die vielen Nutzer, die eben keine Blogs oder lange Artikel lesen, erkennbar bleibt, oder? Was für mich am Ende übrig bleibt ist die Erwartung, dass das Projekt „Krautreporter“ schon platt gemacht sein wird, bevor es sich beweisen konnte. Dann können sich alle wieder zurücklehnen in ihrem Sessel, um bei nächster Gelegenheit wieder ausgeruht auf dem Podium über die Zukunft des Jounalismus zu streiten. Dann mal: Bis die Tage! Übrigens. Wer diese Zeilen jetzt überzogen und überhaupt nicht ausgewogen findet: Ja, das gehört so, in diesem speziellen Fall!

Advertisements