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Die Macht der Aggregatoren

bertramgugel_aggregationslandkarte

Bertram Gugel: Aggregations-Landkarte (http://www.gugelproductions.de/blog/2014/aggregation.html)

Unter der Überschrift „Aggregation: Wettstreit von Sendern, Plattformen und Ökosystemen“ übernahm Bertram Gugel im Rahmen der Media Convention in Berlin die Einleitung in ein Thema, das schon seit einigen Jahren durch die betroffenen Medien-Branchen geistert. Dabei gab es zwar an inhaltlichen Details nicht viel neues zu erfahren. Jedoch hat er mit seiner Präsentation die Entwicklung im Zeitablauf so überzeugend auf einer interaktiven Landkarte veranschaulicht, wie ich es persönlich bislang noch selten gesehen habe. Interessant dabei auch die Zusammenhänge, die er zwischen den unterschiedlichen Formen von Aggregatoren aufzeigt. Hiernach seien – und dies leigt auf der Hand – die „umfassenden Aggregatoren“ wie Amazon Instant Video, Google Play, iTunes, Watchever und natürlich Youtube oder Netflix mit ihrer zum Teil unüberschaubaren Zahl (vergleichbarer) Inhalte mittel- bis langfristig mit Abomodellen im Wettbewerb miteinander nur dann erfolgreich, wenn es ihnen gelingt, relevante Nutzerzahlen zu generieren, die geringe Wertschöpfung pro Nutzer zu kompensieren. Die besten Chancen haben dabei die Anbieter, die sich durch hochwertige exklusive Inhalte zumindest für eine gewisse Phase von der Konkurrenz abheben könnnen. Dies erklärt den Erfolg von Netflix genauso wie die Ansätze von Amazon oder auch Watchever, sich mit eigenen Serien zu profilieren. Auf diese Karte setzt auch Sky, das als „selektiver Aggregator“ aktuell mit exklusiver Sportberichterstattung und schneller Verfügbarkeit hochwertiger Serienware Boden gegenüber den privaten und öffentlich-rechtlichen „Selektierern“ gut macht.

Allerdings ist Sky schon heute abhängig von den Scharnierstellen der digitalen Medienlandschaft Google und Apple, die nach und nach mit ihren Betriebssystemen die fast beliebige Verfügbarkeit von Medieninhalten möglich machen. Gerade sind diese mächtigen Player dabei, mit Chromecast und Co. den TV-Bildschirm zu erobern. Ihnen im Weg stehen eigentlich nur noch die noch immer nicht verwirklichte flächendeckende Grundversorgung mit schnellem Internet und die Sehgewohnheiten der älteren Zuschauer. Beide Bremsklötze des Medienwandels dürften in den nächsten Jahren allerdings immer stärker abgerieben werden und irgendwan ganz verschwinden. Spätestens dann werden die aktuell noch dominierenden selektiven Anbieter auf dem TV-Markt – unabhängig von ihrer Finanzierungsart – unter noch größeren Wettbewerbsdruck geraten. Dann stehen sich nicht nur die spezialisierten und deshalb vergleichsweise kostengünstigen  VoD-Plattformen mit „umfassendem“ Angebot untereinander, sondern ihnen darüber hinaus noch die etablierten Anbieter des TV-Marktes gegenüber, die um die Gunst der Zuschauer mit ihren selektiven Vollprogrammen oder Premium-Programmen werben müssen. Gewinnen werden dabei aber wohl auf jeden Fall Apple und Google, ohne die diese Anbieter gar nicht erst zum Kunden gelangen! Ein Szenario, das übrigens der ehemalige ZDF-Intendant Markus Schächter den Verlegern bei der Auseinandersetzung um die Internetaktivitäten von ARD und ZDF aufgezeigt hatte.

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